2012 09 07 20 Minuten: Das Boese ist die Tat an sich

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Quelle: 20 Minuten, 07. September 2012, Seiten 10 bis 11

Arbeitsplatz Tatort

Kriminalbiologe: "Was ist an Blut und Kot eklig?"

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VON ANNA LUETHI


Der «Herr der Maden» Mark Benecke untersucht die grausigsten Kriminalfälle der Welt – und erzählt davon in der Schweiz.


Mark Benecke, Sie gelten als einer der bekanntesten Kriminalbiologen der Welt. Welche Fälle stecken Ihnen auch nach Jahren noch in den Knochen?

MB: Ich habe etwa den Schädel von Hitler untersucht, das war natürlich schon speziell. Oder der Fall des kolumbianischen Serienmörders Garavito, der 300 Jungen folterte, vergewaltigte und ermordete. Für mich persönlich sind aber die Fälle am spannendsten, wo wir viele Experimente machen müssen: Etwa stecknadelkopfgrossen Blutspuren untersuchen oder anhand von Fliegenkot auf Opfer schliessen.


Ihr neues Buch heisst «Die Dunkelkammer des Bösen». Was ist denn das absolut Böse?

MB: Das wirklich Böse sind Menschen, denen andere völlig egal sind. Antisoziale, psychopathische Menschen, die anderen Leid zufügen. Aber genaugenommen ist das Böse die unsoziale Tat an sich – nicht der Mensch.


Wie wird ein Mensch böse?

MB: Es sind genetische Faktoren und die Umwelt, die einen Menschen böse werden lassen. Wenn eine Veranlagung da ist, können etwa auch Traumata gewisse Entwicklungen auslösen. Andres Breivik etwa ist ein lupenreiner Schizophrener – dennoch gibt es Leute die sagen: der hätte seine Taten auch nicht begehen können, der war nicht komplett von irgendwelchen Stimmen fremdgesteuert.


Was fasziniert Sie so an Ihrer Arbeit als Kriminalbiologe?

MB: Es geht mir nicht darum, dass es besonders eklig oder gruselig oder traurig ist – wir arbeiten einfach am Rand des Randes des Randes, wo sich sonst keiner mehr traut hinzugucken. Das finde ich eben besonders spannend.


Wie erklären Sie sich das unglaubliche Interesse der Leute an ihrem Job?

MB: Die meisten sagen zwar: Oh, den Geruch würde ich nicht ertragen! Aber da fungiere ich ja quasi als Puffer, indem ich an einem neutralen Ort von meinen Erlebnissen erzähle. Das Publikum hat eine bourgeoise Freude daran, dass jemand den Drecksjob macht. Viele Leute haben auch schon in der Familie einen Todesfall unter seltsamen Umständen erlebt, die wollen einfach wissen, wie dann vorgegangen wird.


Empfinden Sie selbst je Ekel bei Ihrer Arbeit?

MB: Natürlich nicht, sonst würde ich es ja nicht machen. Ich arbeite mit Blut, Kot und Sperma: Was soll daran eklig sein? Was ich nicht ertrage, ist der Geruch von frischem Fleisch beim Metzger – verfault ist es mir egal.


Mit großem Dank an Anna Luethi und die Redaktion für die Freigabe und die Genehmigung zur Veröffentlichung.


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Mark Benecke, Ph.D. · Certified & Sworn In Forensic Biologist · International Forensic Research & Consulting · Postfach 250411 · 50520 Cologne · Germany · E-Mail: forensic@benecke.com, www.benecke.com · Emergencies: Text / SMS / text messages only (never call me): +49 171 177 1273 -- anonymous calls & suppressed numbers will never be answered. Dies ist eine Notfall-SMS-Nummer (für aktuelle kriminalistische Notfälle). Nur SMS; bitte rufen Sie niemals an. · If it is not a real emergency, send an e-mail, pls. · Facebook Fan Site · Neue Benecke-Squarespace-Seite