2016 08 web de: Stefan Raab und das FBI

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Quelle: web.de (online) vom 26. August 2016

Von Stefan Raab genauso viel gelernt wie beim FBI

Mark Benecke im Interview

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VON FABIAN TEICHMANN

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Dr. Mark Benecke ist der wohl bekannteste Kriminalbiologe Deutschlands. Im Interview verrät er Details aus seiner Arbeit mit Leichen, gibt Tipps für Krimifans und vergleicht Stefan Raab mit dem FBI. Zudem lässt der "Teilzeit-Politiker" kein gutes Haar an Donald Trump. Bekannt wurde er unter seinem Spitznamen "Dr. Made": Der exzentrische Forensiker Dr. Mark Benecke hat auch abseits seines eigentlichen Berufes als Kriminalbiologe immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Einige Male war er bei Stefan Raabs "TV Total" zu Gast. 2015 kandidierte er bei der Oberbürgermeister-Wahl in Köln und wurde Dritter. Nun gibt er Nutzern der größten Online-Videothek Deutschlands "maxdome" Krimi-Tipps. Wie es dazu kam und warum er sich vegan ernährt, erklärt der 45-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.


Herr Benecke, wie kamen Sie auf die Idee, Forensiker zu werden?

MB: In Köln hatte ich die Möglichkeit, sehr viel auszuprobieren, da die Uni sehr groß ist. Ich war dort in der Rechtsmedizin, weil ich etwas über genetische Fingerabdrücke lernen wollte. Das fand ich sehr spannend und man konnte es zum damaligen Zeitpunkt noch nirgendwo anders.

Eigentlich bin ich Biologe, konnte so aber auch viel in der Rechtsmedizin lernen. Im dortigen Keller, wo unsere Labors waren, bin ich auch zum ersten Mal auf Insekten auf Leichen gestoßen. Das fand ich dann auch spannend und so kam eines zum anderen.


Nun haben Sie es ja berufsbedingt schon mit einigen Leichen zu tun gehabt. Hat es jemals Fälle gegeben, vor denen Sie sich geekelt haben?

MB: Es ist eher so, dass ich sie traurig finde. Ekel ist nicht das Problem. Ich glaube, sonst kann man diesen Job auch nicht machen. Insbesondere wenn man mit den Angehörigen zu tun hat, kann das manchmal sehr eindrucksvoll sein. Oft können Betroffene nicht loslassen und einsehen, dass ihre Angehörigen nicht mehr lebendig werden, auch wenn der Täter festgesetzt wird.

Es gibt auch Fälle in denen ermittlungstechnisch versagt wurde. Es macht mich vor allem traurig, wenn man den Angehörigen erklärt, dass keine höhere Gerechtigkeit ihnen helfen wird. Auch traumatische Einwirkungen wie Sexualdelikte, Kriege, Vergewaltigungen, Soldaten, die ihre Macht missbrauchen, Enthauptungen oder Verbrennungen sind natürlich immer traurig.


Wie sind Sie eigentlich von der Tatort- und Spurensicherung in die Gastredaktion von "maxdome" gekommen? Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

MB: Die haben mich einfach gefragt (lacht). Naja ich bin ja grundsätzlich eher ein Mann des Publikums und der normalen Menschen und denke nicht, dass ich mich nur mit Leuten "vom Fach" austauschen sollte. Ich bin auch mal ganz froh, mich mit Menschen unterhalten zu können, die nicht nur etwas mit Tatort- und Spurensicherung zu tun haben. Und so sehe ich das jetzt hier auch bei "maxdome".

Ich wurde gebeten, einige Filme aus dem "maxdome"-Paket zusammenzustellen, die ich persönlich gut finde. Das habe ich dann auch getan. Ich habe das als gute Gelegenheit gesehen, den Leuten durch meine Film-Bewertungen auch etwas mehr über mein Fach erzählen zu können.


Welche Filme waren das zum Beispiel?

MB: Bei Mr. and Mrs. Smith finde ich es sehr lustig, dass die beiden ein Ehepaar sind. Leute, die als Paar zusammenarbeiten und deshalb ganz anders arbeiten, gibt es in meinem Job manchmal auch.


Haben Sie weitere Geheimtipps für Krimifans?

MB: Ich weiß nicht, ob das ein Geheimtipp ist, aber eine Serie, die ich vor kurzem gesehen habe, war "Hannibal". Die ist extrem gut recherchiert, weil dort alle Beteiligten wissenschaftlich ziemlich sauber dargestellt sind. Vor allem der Psychopath in dieser Serie wurde perfekt verstanden. Oft werden nur zwei oder drei Elemente von Psychopathie rausgenommen, aber dort wurde sehr genau gezeigt, wie solche Menschen ticken und auch die Psyche derer, die etwas mit dem Psychopathen zu tun haben wollen.


Spiegeln sich in solchen Serien auch Elemente aus Ihrer täglichen Arbeit wider?

MB: Absolut. Ich habe regelmäßig mit Täterinnen und Tätern zu tun, die psychopathisch sind.


Was macht für Sie die Faszination Ihrer Arbeit aus?

MB: Dass sie sich nicht um das soziale Geflecht dreht. Welcher Täter hat etwas warum gemacht und wer profitiert davon? Diese Fragen interessieren andere Leute wie Journalisten, Priester, Richter und Ermittler. Mich aber interessiert das alles gar nicht. Mir geht es darum, zu klären, ob die Spuren objektiv einen Ablauf dokumentieren.

Es macht mir Spaß mit wahren Dingen, die eine wahre Geschichte erzählen, zu arbeiten. Man kann dort nach Blutspuren, Haut- und Kleidungsfasern, genetischen Fingerabdrücken, Speichel, Sperma, Urin oder Kot suchen. Ich befinde mich dort wie in einer ganz anderen Welt, die viel wahrer und klarer ist als alles märchenhaft oder kulturell bedingt hinterher dazu Erzählte.


Sie waren schon einige Male in Stefan Raabs ehemaliger Sendung "TV Total" zu Gast. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit ihm empfunden?

MB: Ich habe von Stefan Raab genauso viel gelernt wie auf der FBI Academy. Viele Leute denken über ihn sicher, dass er alles mit sehr großer Leichtfertigkeit und an der ganz langen Leine gemacht hat. Das ist total falsch. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Das Ganze hat in einem hochkontrollierten und qualitativ hochwertigen Umfeld stattgefunden. Das Lockere und Flapsige ist nur eine Fiktion, an die die Leute bis heute glauben.


Sie leben seit langem als Vegetarier und ernähren sich inzwischen sogar vegan. Was sind die Gründe dafür?

MB: Ich finde, dass man Tiere in Ruhe lassen sollte. Das war immer meine Meinung. Ich habe mit Tieren zusammen gearbeitet, hatte auf einer irischen Insel zum Beispiel mal drei Monate viel mit Tintenfischen zu tun.

Man erkennt dann, dass solche Tiere Charakter haben und versteht irgendwann nicht mehr, warum Menschen zwar ihre Katze lieb haben, aber trotzdem Tierprodukte essen. Das ergibt für mich einfach keinen Sinn.


Sie sind ja auch als Politiker tätig und kennen sich deshalb auch in diesem Themenfeld gut aus. Mit welchem Gefühl blicken Sie auf die im November anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA?

MB: Auf der einen Seite hat man das Mega-Arschloch mit schwerer narzisstischer Störung, die ein Blinder mit dem Krückstock erkennt. Auf der anderen Seite kapieren manche Leute das Problem daran nicht und erfreuen sich an Donald Trumps scheinbarer Ehrlichkeit. Eigentlich ist das ein schönes Beispiel für die Entfremdung von Menschen von ihrer Regierung und von ihrem Rechtssystem.

Ich würde sogar sagen: Ein derart einschneidendes Ereignis wie die Weltkriege, in der Art wie wir sie in Europa erlebt haben, steht den Amerikanern in diesem Herbst bevor. Egal was passiert - Sie werden jetzt endlich überlegen müssen, was sie eigentlich wollen von der Welt.


Mit großem Dank an Fabian Teichmann und die Redaktion für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.


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