2014 07 Focus Online Blutspritzer Fliegen Tatortfotos

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Quelle: Focus Online - Nachrichten, 02. Juli 2014

Blutspritzer, Fliegen, Tatortfotos

So kommt Forensiker „Doktor Made“ Tätern auf die Spur

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VON JENNIFER LITTERS


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Mit seinen unzähligen Tattoos, der schwarzen Lederkluft und regelmäßigen Auftritten im Fernsehen ist Mark Benecke der bekannteste Kriminalbiologe Deutschlands. Doch nicht nur die Polizei zieht den Forensiker zu Rate - jeder kann ihn kontaktieren, der in einen ungelösten Kriminalfall verwickelt ist.

Er lässt sich als Vampir fotografieren, ist von Kopf bis Fuß tätowiert, besitzt Abschlüsse in Biologie und Psychologie und ließ sich vom FBI fortbilden. Vor allem aber ist Mark Benecke Deutschlands wohl berühmtester Forensiker. Seine Bücher sind Bestseller, zu seinen Vorträgen kommen die Besucher trotz der morbiden Thematik in Scharen und im Fernsehen ist der 43-jährige regelmäßig zu Gast. Eines seiner Spezialgebiete ist die forensische Entomologie: Aus dem Insektenbefall von Leichen liest er Todeszeitpunkte oder -orte heraus - daher auch sein Spitzname „Doktor Made“.


Nur objektive Spuren zählen


Benecke ist der einzige öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für biologische Spuren in Deutschland. Grundsätzlich kann ihn jeder beauftragen. Etwa, wenn ein Angehöriger verschwunden ist oder ermordet wurde, die Polizei aber mit den Ermittlungen nicht weiterkommt. Auch mutmaßliche oder verurteilte Täter beziehungsweise ihre Familien beauftragen Benecke und sein kleines Team, um die Unschuld eines Verurteilten zu beweisen oder die Spurenlage erneut überprüfen zu lassen. Zu Beneckes Team gehört eine Kriminalbiologin, je nach Fall stoßen weitere freie Mitarbeiter dazu.


Ob der Kriminalbiologe sich des Falls annimmt, entscheiden er und sein Team. „Wir stellen uns dabei eine einzige Frage: Gibt es objektive Spuren?“, erklärt Mark Benecke. Alles Weitere sei uninteressant. Die persönlichen Hintergründe, die Trauer und Verzweiflung der Angehörigen - davon wollen die Kriminalisten nichts hören. Aus gutem Grund: Wüssten sie zu viel über den Fall, könnte es sie dazu verleiten, bereits im Vorfeld Annahmen über den Tathergang und den möglichen Täter zu treffen. Die Frau wollte sich gerade von ihrem Mann trennen, also war es eine Beziehungstat - vor solchen Schlüssen müssen sie sich möglichst schützen. Sonst könnten sie Gefahr laufen, Spuren einseitig zu interpretieren oder gar zu übersehen, die nicht zu dieser Vermutung passen.


Entsprechend deutlich sagen sie das auch ihren potenziellen Auftraggebern: „Wir machen von Anfang an klar, dass wir uns die Spuren gerne noch einmal anschauen. Aber wir können uns nicht in die Trauerarbeit einspannen lassen“, sagt Benecke. Die meisten Angehörigen kommen seiner Erfahrung gut damit klar. „Die sind meist ganz froh, wenn ihnen jemand mal nicht dauernd sagt, wie Leid sie ihm tun.“ Bei schwer traumatisierten Klienten sitzt jedoch beim ersten Gespräch ein Notfallseelsorger oder ein geprüfter Trauerbegleiter mit am Tisch. Er kann den Betroffenen einen Weg aufzuzeigen, wie sie ihrenTrauerprozess fortsetzen können - und zwar unabhängig davon, ob Mark Benecke und seine Kollegen den Fall noch einmal aufrollen.


Nicht alle Spuren führen zur Lösung des Falls


Selbst wenn es in einem alten Fall noch Spuren gibt, so ist noch lange nicht gesagt, dass sie zu seiner Lösung beitragen können. Zwar finden Mark Benecke und seine Mitarbeiter immer noch etwas Neues heraus. Doch nicht immer nützt das den Auftraggebern. „Manchmal müssen wir den Klienten sagen: Wir werden etwas herausfinden, wenn wir viel Arbeit und viele Experimente reinstecken - aber es wird ihre Fragen nicht beantworten“, erläutert Benecke.


Blut auf alten Bodenplatten


Es gebe jedoch auch Grenzfälle. So erinnert sich der Kriminalbiologe an eine Mutter, deren Sohn angeblich mit seiner Freundin durchgebrannt war. Die Mutter war jedoch überzeugt, dass er alleinstehend war - und dass ihm etwas zugestoßen ist. Benecke und seine Kollegen waren skeptisch. Doch dann berichtete die Mutter von dunklen Flecken auf dem Fußboden am Arbeitsplatz des Sohnes. Außerdem war der Polizeibericht eindeutig fehlerhaft. „Inzwischen hatte man die Leiche gefunden und die neue Version lautete nun, der Sohn sei betrunken von einer Brücke gefallen - barfuß, obwohl es Winter war“, erzählt Benecke. Zudem habe das Auto des Verstorbenen an seiner Arbeitsstelle gestanden. Der Wagen war nicht abgeschlossen, das Portemonnaie lag im Handschuhfach - noch mehr Details, die weder zur Theorie vom Durchbrennen passten noch zum Brückensturz.

Doch nach wie vor glaubte die Polizei der Mutter nicht, und weigerte sich, die vermeintlichen Blutspuren zu untersuchen. „Die Mutter hat dann mit dem Brecheisen die Bodenplatten aus der Firma geholt und uns gebracht“, sagt der Spurenexperte. Die Untersuchung ergab tatsächlich, dass es sich um das Blut des Toten handelte. Die Leiche wurde anschließend exhumiert und endlich sah man die Schnitte an den Knochen - der Sohn war erstochen worden. „In dem Fall hat es sich auf jeden Fall gelohnt, noch mal hinzuschauen“, stellt Mark Benecke fest.


Insekten auf der Leiche verraten Ort und Zeitpunkt des Todes


Solchen Spuren nachzugehen, macht für Benecke, der oft betont, wie gerne er Rätsel löst, den Reiz seines Berufs aus. Blutspritzer verraten dem Experten, in welchem Winkel ein Messer aus dem Körper gezogen wurde. Anhand der Fliegen oder Maden, die eine Leiche befallen haben, kann er rekonstruieren, wann der Tote gestorben ist - und wo. Wenn beispielsweise die Stellen, wo die Insekten sich befinden, nicht mit der Umgebung des toten Körpers zusammenpassen, ist das ein Hinweis darauf, dass irgendjemand die Leiche erst nachträglich zur Fundstelle transportiert und dabei ihre Position verändert hat.

Was aber, wenn eine Besichtigung des Tatortes nicht mehr möglich und die Leiche längst begraben ist, weil der Fall Jahre zurück liegt? Selbst dann entdecken Mark Benecke und sein Team mit ihrem geschulten Blick auf Tatortfotos und in Polizeiberichten oft neue Hinweise. Häufig hat auch die Staatsanwaltschaft noch Spuren gelagert, etwa Waffen. Allerdings kritisiert Benecke, dass manche Staatsanwälte ihre Archive aufräumen und dabei potenzielle Spuren einfach wegwerfen.

Wenig Gehör schenken die Kriminologen Zeugen- oder Angehörigenberichten - sie sind ihnen zu subjektiv. Und auch die Frage, ob er mit seiner Arbeit dazu beiträgt, Gerechtigkeit herzustellen, interessiert Benecke nicht. Wohl aber die Wahrheit, also der tatsächliche Verlauf der Tat.


Preis ist abhängig vom Fall und vom Klienten


In Interviews stellt Mark Benecke gerne fest, wie schlecht der Staat Sachverständige wie ihn für Gutachten oder Auftritte vor Gericht bezahlt. Dabei sind die Geräte, die Forensiker benötigen, nicht nur empfindlich, sondern vor allem teuer. Oft kommen noch Reisekosten für Untersuchungen am Tatort hinzu. Trotzdem hat Benecke auch schon Fälle von privaten Auftraggebern umsonst bearbeitet. „Wir haben keine festen Sätze, sondern schauen, was sich die Leute leisten können“, erklärt er. Dafür behalten er und seine Kollegen sich vor, nur die Fälle zu übernehmen, die sie interessieren. „Zum Glück kommen mittlerweile ausschließlich Leute mit Fällen zu uns, die wir tatsächlich spannend finden.“

Mit herzlichem Dank an Jennifer Litters und die Focus Online - Nachrichten-Redaktion für die Freigabe und die Genehmigung zur Veröffentlichung.


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Mark Benecke, Ph.D. · Certified & Sworn In Forensic Biologist · International Forensic Research & Consulting · Postfach 250411 · 50520 Cologne · Germany · E-Mail: forensic@benecke.com, www.benecke.com · Emergencies: Text / SMS / text messages only (never call me): +49 171 177 1273 -- anonymous calls & suppressed numbers will never be answered. Dies ist eine Notfall-SMS-Nummer (für aktuelle kriminalistische Notfälle). Nur SMS; bitte rufen Sie niemals an. · If it is not a real emergency, send an e-mail, pls. · Facebook Fan Site · Neue Benecke-Squarespace-Seite