Schwarzepresse Interview: Mark Benecke und das Pfingsttreffen

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Quelle: schwarzepresse.de, Interviews - 11. Juni 2012
(http://www.schwarzepresse.de/index.php?option=com_content&view=article&id=469:mark-benecke-und-das-pfingsttreffen&catid=79&Itemid=48)

Mark Benecke und das Pfingsttreffen

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Von Julia Gehrisch


„Der ALLERcoolste Moment dieses WGTs war [...] natürlich der rote Himmel über dem nächtlichen Vampyr-Camp -- einer der schönsten Momente meines bisherigen Lebens." (Dr. Mark Benecke) - Dr. Mark Benecke als Gast und Künstler auf dem Wave-Gothik-Treffen 2012. Seit Jahren gehört er quasi zum Inventar des Wave-Gothik-Treffens in Leipzig und zählt damit zu den am häufigsten aufgetretenen Künstlern. Als Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe und weltweit führender forensischer Entomologe ist er ständig auf Achse. Er bearbeitet Fälle auf der ganzen Welt, moderiert seit 1999 eine Sendung zu wissenschaftlichen Themen auf Radio Eins, tritt in Fernsehsendungen wie Galileo Mystery und Niedrig und Kuhnt auf, schreibt Kolumnen für das Tätowiermagazin und engagiert sich politisch in der Partei Die Partei.


Man möchte meinen, dieser Mann kann einfach alles. Doch das genaue Gegenteil predigt er in seinen Vorträgen - er habe nie Sport gemacht, könne nicht Auto fahren und im Hubschrauber würde ihm übel werden. Eine coole Socke bleibt er nach solchen Aussagen dennoch. Allein mit seinem Aussehen räumt er einige Klischees der heutigen Zeit auf: tätowiert bis über die Ärmelränder, mit fettem Septumpiercing und einem Ghettovokabular, was so manchem Teenager Konkurrenz zu machen scheint, und dennoch hochgebildet und erfolgreich als Autor, Sachverständiger und Naturwissenschaftler. Mit seiner Art und seinem Wissen mutiert er zu einem einzigartigen Entertainer und genau das ist auch den Besuchern des WGT's bekannt.Nicht umsonst eröffnete er mit DJ Elvis auf der AGRA musikalisch das Treffen der Geschöpfe der Nacht. Dabei wechselten sich die beiden brüderlich an den Turntables ab und hatten sichtlich Spaß an ihrer Arbeit. Wer hätte gedacht, dass ein Doktor derart beim Auflegen abhotten kann? Zu Songs von X-RX, Agonoize und Patenbrigade Wolff tanzten beide auch mal oberkörperfrei und heizten der Masse ein. Doch diese Party war für Dr. Benecke nur die Ruhe vorm Sturm.


Auch in diesem Jahr standen an jedem der drei Vortragstage bereits zwei Stunden vor Beginn die Fans vor den Toren des Centraltheaters Schlange. Mit einer Kapazität von rund 666 Zuschauern gilt das ehemalige Schauspielhaus als DIE Adresse in Leipzig, wenn es um lebendige Kultur geht. Lebendig und fesselnd beschreiben eine Vorlesung von Dr. Benecke wohl am besten. Zu Beginn werden verschiedene Themen vorgestellt unter denen jeder Besucher mit einer Stimme eines wählen darf. Der Sinn des Wählens ist nicht nur, dem Publikum das zu bieten, was es wünscht, sondern auch, dass sich eine Thematik über die Jahre niemals doppelt (während der Wave-Gothik-Treffen!). Zur Auswahl standen 2012 „Alienautopsie“, „Spontane Selbstentzündung“ und „Geschlossener Raum“, wobei letzteres siegte und somit zum Vortragsinhalt der nächsten 3 Tage wurde.


Julia Gehrisch: „Mark, ist es für dich nicht arg nervig, wenn du an drei aufeinander folgenden Tagen das Gleiche erzählen musst?“


Mark Benecke: „Nee, erstens isses sowieso immer anders (jedes Publikum ist verschieden, das ist total verrückt) und zweitens hab ich die Themen ja vorgeschlagen -- drittens isses einfach wunderschön unter normalen Menschen, Vampyren, Elfen, Wölfchen, Romantikgoths und Cybers zu weilen, no matter what.“


Und es stimmt wirklich! Ich lauschte dem Redner an 2 Tagen und es waren zwar die gleichen Grundinformationen, doch die Besucher glichen sich nie. Täglich kamen neue Fragen und Theorien zustande. Die Verwirrtheit und viele Fragen standen den Besuchern jedoch letztlich immer ins Gesicht geschrieben. Wie konnte eine alte Frau in ihrem Haus derart niedergemetzelt werden, ohne dass es jemand bemerkte und so gut wie keine aussagekräftigen Spuren zurück blieben? Alles ereignete sich im Jahre 2002 in Arnstein/ Oberfranken. In der Nacht zwischen 0.00 und 2.00 Uhr wird die 79-jährige Irene Feineis in ihrem Haus mit 47 Messerstichen brutal ermordet. Die Hauptverdächtige in diesem Fall ist ihre eigene Tochter, die durch ihre bloße Anwesenheit und die angebliche Abgeschlossenheit des Tatortes zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt wird. Ein schneller und auf skurrilen Fakten basierender Urteilsspruch, sowie die Unschuldsbeteuerung der strengen Christin motivieren eine Freundin der Verurteilten dazu, sich an Dr. Benecke zu wenden, der daraufhin sich des Falles annimmt.


Gemeinsam mit seiner Assistentin Dr. Saskia Reibe fährt er 5 Jahre nach der Tat an den Tatort und beschließt auf Grund der Unübersichtlichkeit des „geschlossenen Raumes“ ein Team aus 4 Studenten zusammenzustellen, unter denen ich als damals 18-jährige sein durfte, und gemeinsam mit diesen begleitet von einem Kamerateam den Fall erneut zu untersuchen. Auf was wir dabei stoßen sind noch mehr Ungereimtheiten, traurige Hinterbliebene und Massen an rot-bräunlichen Spuren. Es zeigt, wie wenig Zeit doch eine Spurensicherung für einen Fall zur Verfügung hat und wie scheinbar willkürlich Verknüpfungen von Informationen getätigt werde. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht vorweg nehmen, damit zukünftige Besuche bei Benecke-Veranstaltungen nicht versaut werden. Fakt ist, dass das Rätsel bis heute nicht gelüftet ist und wir gespannt bleiben dürfen. Zwischen, vor und nach den Lesungen blieb der Doc natürlich unter gleichgesinnten. Dabei traf er verschiedene Persönlichkeiten der schwarzen Szene u.a. nahm er am Vampirfrühstück teil, gab fleißig Autogramme und ließ sich mit seinen Fans fotografieren.


Julia Gehrisch: „Was war der schönste Moment für dich auf dem WGT 2012?“


Mark Benecke: „Dass du da warst , dass ich mit sehr wertvollen Menschen rumhängen durfte, dass ich ein total wahnsinniges Industrial-Projekt gesehen und gehört habe, dass ich einen alten Subkultur-Streit schlichten konnte und natürlich das Bluttrinken an der Agonoize-Bühne mit Maskengott Crudelia, dem gekreuzigten Mädchen und dem restlichen Agonoize-Team."


Ob er 2013 zu Pfingsten mal nicht in Leipzig verweilt? - Wohl kaum!


Vielen Dank an meinen lieben Dad Dr. Mark Benecke für die wundervollen Pfingsttage.



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