2014 06: Wave Gotik Treffen in Leipzig

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Quelle: heute.de (online), 06. Juni 2014

Wave-Gotik-Treffen in Leipzig

"Gruftis saufen nicht und geben viel Trinkgeld"

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Von Sebastian Ehm


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Schrille Maskeraden, aufblasbare Reifröcke und schwarzes Leder: Mehr als 20.000 Gothic-Fans feiern auf dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. Der Kriminalbiologe Mark Benecke, der dort seit Jahren Vorträge über den Tod hält, erzählt im heute.de-Interview von "braven Gruftis", Normalsein und schweren Sex-Unfällen.


heute.de: Herr Benecke, Leipzig erwartet zum 23. Wave-Gotik-Treffen auch dieses Jahr wieder rund 20.000 Gothic-Fans. Sie treten dort seit Jahren auf, gehören quasi zum Inventar des Festivals. Wie darf man sich die Atmosphäre vorstellen?
MB: Die ganze Stadt verwandelt sich ab dem Hauptbahnhof immer mehr in eine schwarz schillernde Masse. Anfangs sind noch einige Farbkleckse mit dabei, aber je näher man den Veranstaltungsorten kommt, umso schwärzer wird es. Es herrscht eine tolle Atmosphäre, es ist wie ein riesiges Familientreffen. Die Leute reisen aus ganz Deutschland an, manche nehmen sogar ihre Kinder mit. Alle sind happy, freuen sich, dass sie einmal normal sein können und sich nicht ständig fragen lassen müssen, warum sie komische Klamotten anhaben.


Sie gelten auch außerhalb des Festivals als unangepasst. Nutzt so mancher das Festival vielleicht auch, um sich mal so richtig exzentrisch aufzubrezeln?
MB: Für viele ist es im Alltag nicht immer möglich, sich so zu geben, wie sie wollen. Man kann schlecht mit einem viktorianischen oder mittelalterlichen Kostüm Straßenbahn fahren oder zur Arbeit gehen. Das ist einfach unpraktisch. Aber dort dürfen sie sich so zur Schau stellen, wie sie sich auch innerlich fühlen. Das ist, wie wenn ein Mensch, der sich für normal hält, feierlich mit einem Frack in die Oper geht.


Was sagen denn die Leipziger zum Wave-Gotik-Treffen?
MB: Die Leipziger finden das super. Ich muss wegen meiner vielen Vorträge während des Festivals immer viel Taxi fahren und die Taxifahrer erzählen immer, dass sie das Treffen anfangs etwas komisch fanden, dann aber gemerkt haben, dass die Gruftis freundlich sind, nicht saufen und viel Trinkgeld geben. Viele Leipziger kaufen sich auch Tagestickets für das Festivalgelände, reden dann mit ein paar Gruftis und gucken sich das Ganze ein paar Stunden lang an.


Was unterscheidet das WGT von anderen Festivals?
MB: Es gibt kein Festival auf der ganzen Welt, wo wirklich alle Locations in der ganzen Stadt besetzt sind, auch die unmöglichsten. Vom Kohlrabizirkus bis zum Stasimuseum. Das gibt es nirgendwo. Außerdem sind die Veranstalter wirklich schräg. Die haben immer total abgefahrene Acts, die einem wirklich das Gehirn wegblasen. Ich habe noch kein WGT erlebt, wo ich nicht danach gesagt habe: Ey, das ist doch gerade nicht wirklich passiert?


Ihre Vorträge gehören mit zu den beliebtesten Veranstaltungen auf dem ganzen Festival. Die Veranstalter des WGT warnen bereits vor Überfüllung des Centraltheaters. Warum denken Sie, sind Ihre Vorträge so beliebt? Liegt es vielleicht am speziellen Publikum?
MB: Nein, die gleichen Vorträge halte ich auch vor normalem Publikum im Rest von Deutschland, in Bad Harzburg, Rostock, München oder sonst wo. Es liegt wohl eher daran, dass die Leute merken, dass ich sie akzeptiere, wie sie sind. Egal, ob ihr reich, arm, dick oder dünn seid, depressiv oder Normalos, ob ihr Masochisten seid oder lieber Blümchensex habt - ich habe euch alle lieb. Ihr seid alle cool, und ihr könnt alle was. Die anderen Künstler des Festivals machen das nicht unbedingt so. Die versuchen eher, die Abgrenzung von den Normalos herauszustellen. Die sagen: Ihr seid anders; seid stolz, dass ihr anders seid.


Worüber sprechen Sie dieses Jahr in ihren Vorträgen?
MB: Ach, das mache ich auf Publikumszuruf. Oft rede ich natürlich über meine Arbeit als Forensiker und ungewöhnliche Kriminalfälle. Aber ich habe neulich erst eine Fortbildung über schwere Sex-Unfälle gemacht: Da ging es darum, wie man Verletzungen bei extravagantem Sex vermeidet. Vielleicht schmeiße ich da mal was rein.

Mit herzlichem Dank an Sebastian Ehm und die heute.de-Redaktion für die Freigabe und die Genehmigung zur Veröffentlichung.



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