2016 05 Bild online: Wie kam die Hand in den Wels

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Quelle: Bild online vom 27. Mai 2016

Leichenteil in Fisch gefunden

Wie kam die Hand in den Wels, Herr Dr. Benecke?

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VON MARKUS LANGNER

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Eine Hand im Fischmagen beschäftigt die Polizei. Seit am Sonntag zwei Angler bei Jessen einen Riesenwels aus der Elbe zogen und beim Aufschneiden eine „gut erhaltene“ rechte Hand fanden, rätselt die Kripo: Wie kommt die Hand in den Wels? BILD fragte Deutschlands berühmtestem Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke (45).


Bild: Laut Polizei war die entdeckte Hand in einem „guten Zustand“. Was bedeutet das?
Dr. Benecke: „Vielleicht, dass sie nicht vollständig skelettiert war, sondern noch von Gewebe zusammen gehalten wurde. Die Knochen einer skelettierte Hand wären auseinander gefallen und für Laien – in dem Fall die Angler – wohl eher nicht als Hand erkennbar gewesen.“


Bild: Lässt sich feststellen, zu wem die Hand gehörte?
Dr. Benecke: „Ja. Anhand von Handknochengröße und -struktur lassen sich in der Rechtsmedizin sehr gut Rückschlüsse auf Geschlecht, Alter und Größe eines Menschen ziehen. Falls sich Hinweise auf ein Verbrechen verdichten, lohnt es sich, die DNA mit Datenbanken zu vergleichen. Erfahrungen zeigen, dass Opfer, deren Leichen an ins Wasser geworfen werden, schon mal selbst am unteren sozialen Rand gelebt hatten. Aber noch scheint ja unklar, ob es sich um ein Suizid- oder Verbrechensopfer handelt.“


Bild: Ein Selbstmörder, dem ein Fisch die Hand abbeißt?
Dr. Benecke: „Nein. Die Hand war vielleicht schon ab. Zum Beispiel kann die Leiche zunächst am Flussufer von einem Fuchs zerteilt worden sein. Die Hand gelang wieder ins Wasser und vermutlich durch die ansaugende Schnappbewegung des Welsmauls in dessen Magen. Unter Wasser ist ja die Sicht nicht so gut und er hat die Hand einfach als ihm unbekannte aber bekömmliche Beute verschluckt.“


Bild: Wie lässt sich feststellen, wie lange die Mensch, zu dem die Hand gehört, bereits tot ist?
Dr. Benecke: „Indem man jede Kleinigkeit in Erfahrung bringt. Es ist gut, zunächst zu klären, wie lange die Hand im Fisch war. Ich würde darüber mit Anglern reden, was sie im Verdauungstrakt von Welsen entdeckten und in welchem Zustand das war. Auch Experimente mit Welsen können helfen, herauszufinden, wie lange die Verdauung dauert. Im Anschluss kann die Liegezeit im Wasser untersucht und Rückschlüsse auf den den Todeszeitpunkt gezogen werden.


Bild: Noch einmal zurück zur Todesursache. Gibt eine abgetrennte Hand darüber Auskunft?
Dr. Benecke: „Möglich. Liegt ein Verbrechen vor, treten gerade an Handknochen Spuren von Abwehrhandlungen auf. Das können zum Beispiel Einkerbungen, die Stichwaffen hinterlassen, sein.


Bild: Kann einer Hand aus dem Fischmagen möglicherweise sogar noch DNA eines Mörders anhaften?
Dr. Benecke: „Das ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Ein Kollege hat einmal die berühmte Hautschuppe, die zur Identifizierung führte, an einem völlig in Wasser aufgeweichten, in eine Mülltonne geworfenen Textil entdeckt.“


Mit großem Dank an Markus Langner und die Redaktion für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.


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