2016 02 Rhein Main Extra Tipp: Der Tod ist sein Territorium

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Quelle: Rhein-Main EXTRA TIPP (darin: Lokales) vom 14. Februar 2016, Seite 11

Der Tod ist sein Territorium

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VON DIRK BEUTEL


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Mark Benecke ist der Mann mit dem Chemiebaukasten. Der zart besaitete Kriminal-Biologe analysiert Maden und Fliegen auf Leichen und greift mit seiner gewöhnungsbedürftigen Arbeit Polizei und Justiz unter die Arme.


Ein Tatort. Eine Leiche. Daneben Blutspritzer, Spermaflecken, auf dem leblosen Körper tummeln sich Fliegen und Maden: Während sich bei anderen bei diesem Anblick der Magen herumdrehen dürfte, zieht Mark Benecke die Latexhandschuhe über und beginnt mit seiner Arbeit. Der 45-jährige Kölner ist Forensiker und Kriminal-Biologe.


Mord, Selbstmord oder doch ein Unfall? Wenn irgendwo eine harte Nuss zu knacken ist, wird er gerufen. Seine Arbeit beginnt dann, wenn Rechtsmediziner und Polizei am Ende sind. Der Tod ist sein Geschäft. Denn der nach eigenen Angaben eigentlich zart besaitete Experte sieht in jeder Leiche nicht den toten Menschen, sondern einen Spurenträger.


Fäulnis und Grad der Verwesung werden begutachtet, falls auch Fliegen, Würmer oder Maden die Leiche erobert haben, hat der vermeintliche Täter meist schlechte Karten. Denn die Krabbeltiere sind Beneckes größter Helfer beim Aufdecken des Tathergangs und des Todeszeitpunktes.


Der Spezialist kann die Liegezeit der Leiche bestimmen. Und zwar mittels der Altersbestimmung der Insekten. Ganz gleich ob es sich um Made, Puppe, Käfer oder Fliege handelt. Beneckes Methode ist sogar ziemlich präzise, wodurch er seine Angaben bis auf wenige Stunden eingrenzen kann. Sein oberster Grundsatz lautet, keine voreiligen Schlüsse ziehen: „Nichts glauben. Wenn möglich, alles selbst prüfen. Man muss den Kopf frei machen. Sonst sieht man oft nur, was man sehen will“, sagt Benecke.


Ob und wie seine Ergebnisse bei der Ermittlung in einem Fall hilfreich sind, ist für den Kriminal-Biologen zweitrangig: „Mich interessiert das Gute nicht. Mir ist egal, wem meine Arbeit nützt. Ich arbeite nicht für den Richter und nicht für den Staatsanwalt, auch nicht für die Gerechtigkeit, die gibt es eh nicht, sondern einzig für die Wahrheit.“


Die kann nicht nur einen Täter überführen, sondern auch entlasten. Dank der Insekten ist es dem Spezialisten für Entomologie, also der gerichtsmedizinisch-kriminalistischen Insektenkunde, möglich, heraus zu finden, ob eine Person Drogen oder ein Gift zu sich genommen hat.


Benecke: „Es ist nicht der Tod oder die Hintergründe, die zu einer Tat geführt haben, die mich so interessieren, sondern die biologischen Spuren“, sagt Benecke. Und die interessiert viele Menschen, die sich für Mordfälle begeistern. „Das kommt wahrscheinlich daher, dass die meisten Menschen gerne Rätsel lösen und wir lösen ja Rätsel“, sagt Benecke.


Wenn man den Experten fragt, ist jede Tat einzigartig. Dennoch sei es möglich, bestimmte Dinge statistisch auszuwerten: „Beispielsweise sind Blutspuren bei jeder Tat einmalig. Sie folgen trotzdem einem bestimmten Prinzip.“ Doch trotz aller Präzision, kann der Maden-Mann nur richtig arbeiten, wenn auch seine Kollegen verstehen, worauf es ihm ankommt:


„Besonders schlimm ist das Leichenwaschen in der Rechtsmedizin, weil dadurch Fliegenmaden weggespült werden. Spezialisten müssen sich immer absprechen, sonst werden Spuren verwischt oder verändert. Am besten: Bloß nichts anfassen!“


Mit großem Dank an Dirk Beutel und die Redaktion für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.


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