10 2012 Subway: Arm ab

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Quelle: SUBWAY Stadtmagazin, 25. Jahrgang, Nummer 299, 10/2012


Interview mit Mark Benecke zu »CSI«

»Arm ab«

[Weitere Artikel von MB] [Artikel über MB] [Sammelseite Wie realistisch ist CSI?]

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Mord, Gewaltverbrechen, Überfälle...seit dem Jahr 2000 ist „CSI: Den Tätern auf der Spur“. Und der Siegeszug der Forensik-Krimiserien geht erfolgreich weiter. Wir sprachen mit dem echten Spurensicherungsexperten und „Herr der Maden“ Mark Benecke.


Mark, wie würdest du deinen Beruf bezeichnen?
MB: Kriminalbiologe. Ich liebe Biologie und Spuren und Biologiespurenrätsel (lacht).


Wie läuft dein Arbeitsalltag?
MB: Entweder ich bin als Spurenkundler tätig und gucke nur die Insekten an. Dann kann ich manchmal beispielsweise sagen, dass ein Insekt fünf Tage auf der Leiche gelebt hat, oder dass eine Leiche mit Sicherheit längere Zeit in einem Haus gelegen hat und nicht an der Stelle, wo sie gefunden wurde. Der Rest des Falles ist mir dabei vollkommen egal. Wenn es aber um Tatortrekonstruktionen geht, hole ich mir alle möglichen Infos heran und rede mit jedem, der irgendetwas wissen könnte.


Und wie gehst du da genau vor?
MB: Erst einmal registriere ich alles, schreibe auf, fotografiere, notiere, beschrifte, katalogisiere, kartiere. Und wenn es dann um die Einordnung geht, was das alles für den Fall bedeutet, lautet die Regel: Ich glaube erst einmal gar nichts. Ich glaube auch nicht mir selbst. Schlechte Sachverständige denken, dass es eine Person auf der Welt gibt, auf die sie sich verlassen können: sie selbst. Aber das stimmt nicht. Erfahrungsgemäß macht man viele Denkfehler und steht sich selbst im Weg.


Du sagst, dass man sich von den Toten als Menschen distanzieren muss. Wie funktioniert das?
MB: Du darfst einfach nicht darüber nachdenken, was mit dem Menschen passiert ist. Es ist auch kein Unterschied, ob nur der Arm abgehackt oder die gesamte Leiche in 20 Zentimeter dicke Stücke zerlegt ist. Das ist vollkommen schnuppe. Das kann man nicht lernen, das ist wie mit den Details: Entweder du magst sie oder eben nicht.


Wie steht es denn mit dem Respekt vor den Toten? Darf man in der Leichenhalle beispielsweise sein Pausenbrot essen?
MB: Ich esse tagsüber nix. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ich tagsüber oft bakterienreiche oder geruchsstarke Flüssigkeiten oder Teilchen an Händen, Haaren oder Klamotten habe... so gesehen kein Problem. Ich selbst habe auch noch nie jemanden am Tatort essen sehen, weil man dadurch ja erstens Spuren legen würde und sich zweitens auch auf die Arbeit konzentrieren soll.


Wie viele Leichen du insgesamt schon untersucht?
MB: Hunderte. Die spannendere Frage ist vielleicht eher, wie viele Spuren ich untersucht habe - Zehntausende?


Du hast den berüchtigten Serienmörder Luis Alfredo Garavito getroffen. Wie war das?
MB: Serientäter sind zutiefst langweilig. Das, was man an ihnen in Filmen so spannend findet, ist überhaupt nicht vorhanden. Ich habe Garavito in einem Gefängnis in Kolumbien getroffen. Der Mann hat über 300 Jungs totgefoltert. Und was macht der? Will mir erzählen, dass er jetzt ein besserer Mensch sei und solche Dinge nicht mehr tun würde. Ich sagte nur: „Das glaubt Ihnen doch kein Mensch.“ Er meinte: „Doch, das war ein Dämon, und der ist jetzt verschwunden.“ Garavito ist der Inbegriff eines paraphilen, antisozialen Täters der keinerlei Emotionen gegenüber seinen Opfern hat.


Ein paar letzte Worte an die Leser?
MB: Heulen hilft nix.


Mit herzlichem Dank an Christian Göttner und Universum Film für die Freigabe und die Genehmigung zur Veröffentlichung.



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