2012: Interview Dernbach

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"...sondern einfach nur an die Wahrheit zu glauben."

MB im Interview mit Beatrice Dernbach & Christian Läßig

[MBs Publikationen] [Artikel über MB]


Dernbach Beatrice (Hrsg.)
"Vom Elfenbeinturm ins Rampenlicht"
Prominente Wissenschaftler in populären Massenmedien
280 Seiten, broschiert
30 Abbildungen
erschienen Feb. 2012
ISBN 978-3-531-17853-0
€ 24,95

(Bei dem nachstehenden .html-Text handelt es sich um eine Rohfassung des Artikels, der im Buch auf den Seiten 65 bis 79 zu finden ist)


Dr. Mark Benecke, Certified and Sworn In Forensic Biologist, International Forensic Research & Consulting. Studium der Biologie an der Universität Köln (1990 – 1994; 1995 Diplomarbeit: »Genetische Fingerabdrücke von Nematodenstämmen«; 1997 Dissertation: »Genetische Fingerabdrücke forensischer biologischer Spuren (Urin, Haare) mittels zweier Multiplexamplifikationen«); Zusatzausbildungen in den USA und Kanada (Auswertung von Blutspritzermustern (NYPD/OCME, Manhattan), Erkennung und Spurensicherung bei Vergewaltigungen (Columbia Univ., New York), Insekten auf Leichen (Simon Fraser Univ./Mounted Police, Canada)); öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für kriminaltechnische Sicherung, Untersuchung und Auswertung biologischer Spuren (IKH Köln); Lehraufträge, Labor-Aufbau und Trainer für Universitäten in Vietnam, Philippinen, England, Deutschland sowie polizeiliche Einheiten wie Polizeischulen der Länder, BKA, FBI u.a.; gewähltes Mitglied internationaler Forschungsakademien und forensischer Gesellschaften, darunter der Linnean Society of London, der American Academy of Forensic Sciences, der Linnean Society, der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin sowie Gesellschaften für Rechtsmedizin in Singapur, der Türkei, Indien und anderswo. Träger der Silbernen Ehrennadel des Bund Deutscher Kriminalbeamter.


Vorkommen in den Medien:
Mark Beneckes Auftritte in den Medien sind sehr zahlreich. Darunter finden sich Zitate und Interviews für Zeitungen, Magazine, Websites, Radio- und TV-Sender. Ebenso schreibt er eigene Artikel über Fachthemen für Publikumsmedien sowie Texte für Fachzeitschriften und Special-Interest-Medien im „Hobby“-Bereich (u.a. Gothic-Szene). Seit 1999 erklärt Benecke einmal in der Woche auf einem ca. fünf bis zehn Minuten langen Sendeplatz auf Radio Eins (RBB) wissenschaftliche Themen.

Beneckes Medienkarriere in Deutschland begann während eines Gerichtsverfahrens 1997/98. Ein Gutachten Beneckes und eines Ameisenkundlers überführten einen Pastor des Mordes an seiner Frau. Dies war laut Medienberichterstattung das erste Mal, dass in Deutschland insektenkundliche Beweise in ein Gerichtsverfahren eingeflossen sind – beste Voraussetzung für ein großes Medienecho. Es folgten zahlreiche Beiträge über Benecke, der fortan Spitznamen trug wie „Kommissar Schmeißfliege“, „Maden-Mark“ oder „Inspektor Tod“. Es ging dabei um Fälle, an denen Benecke arbeitete, Porträts über ihn oder Interviews zum Feld der Kriminalbiologie generell. Auch wurde Benecke als Experte zitiert, um aktuelle Fälle zu bewerten, an denen er selbst nicht arbeitete. Seine selbstgeschriebenen Artikel drehen sich nicht nur um sein eigenes Berufsfeld, sondern um Studien aus vielen naturwissenschaftlichen Bereichen.

Einem breiteren Publikum dürfte Benecke durch seine TV-Auftritte bekannt sein. Er trat als Forensik-Experte in den deutschen Adaptionen der amerikanischen Serien „Medical Detectives“ (Vox) und „Autopsie“ (RTL II) auf, die die polizeilichen Ermittlungen in echten Kriminalfällen dokumentieren. Es folgten zahlreiche weitere TV-Beiträge als Experte in ähnlichen Docutainment-Serien oder in Nachrichten- und Magazinbeiträgen, Beiträge über Beneckes eigene Fälle und TV-Porträts sowie Auftritte in Talk-Segmenten von TV Total bis Johannes B. Kerner. Schließlich spielte er sich selbst in einer Pseudo-Doku-Serie („Niedrig und Kuhnt – Kommissare ermitteln", Sat. 1) und einer Krimiserie („SK Kölsch“, Sat. 1).

Benecke veröffentlichte bislang rund zehn vor allem populärwissenschaftliche Bücher, zunächst über sein Berufsfeld, aber auch weitere Gebiete der Naturwissenschaft. Auf Beneckes Website werden in Wiki-Form die meisten seiner wissenschaftlichen Arbeiten, Interviews sowie Artikel von oder mit ihm dokumentiert. Auf der Startseite führen Forensik-Stichworte Interessierte zu umfangreichen Sammlungen seiner Texte zum jeweiligen Thema. Alle TV-Beiträge sind archiviert und werden auf Anfrage zur Verfügung gestellt (archiv@benecke.com).

Neben den Fachinhalten und Medienbeiträgen finden sich Stichworte, die offensichtlich aufgrund vieler Anfragen auf der Startseite platziert worden sind. In einer Sektion erklärt Benecke etwa, wie er mit Autogramm-Wünschen umgeht. Eine Frequently-Asked-Questions-Sektion dokumentiert zahlreiche Fragen von Usern samt Beneckes Antworten. In den Anfragen geht es häufig um den Einstieg in Beneckes Beruf. Bemerkenswert oft wird nach Facharbeits-Themen, die Wahl des richtigen Studienfachs und Themen für Abschlussarbeiten gefragt. Benecke hält zahlreiche Vorträge, teilweise vor Fachpublikum, vor allem aber populärwissenschaftlicher Art.


Beatrice Dernbach: Der Blick auf Deine Buchtitel, die Einführung in Deine Radiosendung auf Radio Eins beim RBB und Deine Website vermitteln den Eindruck, dass Du Dich gegen das Image des Biologen, des Wissenschaftlers regelrecht wehrst und das Kuriose absichtlich pflegst. Erfindest Du die Buchtitel selbst?

Mark Benecke: Die Buchtitel wie „Herr der Maden“ und der Titel der Radiosendung beziehungsweise des Podcasts machen immer diejenigen, die sich damit auskennen. Die Buchtitel macht der Lektor vom Verlag; ich habe mir noch niemals in meinem Leben einen Buchtitel ausgedacht, noch nicht mal von den kleinen Sachen wie "Vampire unter uns". Das Einzige, was ich durchgucke, ist vielleicht noch der Klappentext, damit die da nicht wieder reinschreiben: "Er ist Arzt" oder so was Ähnliches; oder: "Das Buch handelt von Insekten", obwohl es um Serienmörder geht. Da halte ich mich wirklich komplett raus. Aber dass das kurios wirkt, wirkt aus sich heraus kurios. Andernfalls würde das auch daneben gehen. Hier in Köln gibt es beispielsweise einen Karnevalssänger, der macht auch eine Fernsehsendung und andere lustige Sachen. Der hat mal angefragt, ob ich nicht bei einem Krimi helfen kann. Der ist total gefloppt! Entweder man ist so, dass man auftreten kann wie man ist und zugleich einen Krimi machen kann und von den Leuten so passend wahrgenommen wird oder nicht. Man kann nicht einfach sagen: Ich will nicht immer nur der Clown sein, sondern ich will jetzt einen Krimi mit Blut und Sperma machen – das funktioniert einfach nicht.

Oder noch ein anderes Beispiel: Der Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman ist immer bei seiner Physik geblieben; er hat aber auch in staatlichem Auftrag so bizarre Unfälle wie die Challenger-Katastrophe kommentiert, untersucht und die NASA dabei schwer kritisiert. Dem glaubte man das alles, obwohl er auch gerne getrommelt hat und ein sehr beliebter Professor war. Und da gibt es ganz viele von denen. Etwa der Biochemiker Kary Mullis, der die Polymerase-Kettenreaktion erfunden hat – auch Nobelpreisträger –, der zum Beispiel öffentlich bezweifelt hat, dass HI-Viren Aids erzeugen. Was er gesagt hat, war Spinnerei, aber das war die gute Sorte Spinnerei, denn man musste erstmal überlegen, wie man seine Gedanken widerlegt. Oder Linus Pauling, der sogar zwei Nobelpreise gewonnen hat, der war auch super. Der war total verbohrt; zwei Mal hat er total richtig gelegen – zack, zwei Mal gab es den Nobelpreis; beim dritten Mal lag er wieder komplett daneben, nämlich damit, dass mit Vitamin C jede Krankheit heilbar ist. Man muss dem Spinner das Spinnersein oder Kuriose oder Bizarre oder Seltsame oder Diversifizierte wirklich glauben, sonst geht es nicht. Und wir glauben nur – da sind wir wieder am Anfang –, wenn es wirklich nicht erfunden ist.

Beatrice Dernbach: Gibt es den Wissenschaftler Mark Benecke als Marke?

Mark Benecke: Falls ja, dann hat sich das eigentlich eher durch Zufall ergeben. Wenn man den Kram macht, den man wirklich gerne macht, und dabei nicht auf die Marke achtet – dann funktioniert das. Bei Firmen ist das was anderes, die müssen ihre Marke aufbauen und pflegen. Steve Jobs von Apple redet natürlich nicht über seine Lebertransplantation, weil der nicht will, dass man Apple mit Lebertransplantation in Verbindung bringt. Man kann eine Marke aber nicht machen. Ich krieg‘ so einmal im Jahr Anfragen von Leuten, die meine Website optimieren oder mein Image stärken wollen. Die brauch‘ ich nicht. Bei uns ist alles so, wie es von mir und meinem Team gewollt ist und basta.

Beatrice Dernbach: Wie würdest du dich als Wissenschaftler beschreiben und verstehen? Was ist es, was dich als Wissenschaftler antreibt?

Mark Benecke: Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als wir Biologen Schildkröten und Wale retten wollten. Dann sind die Schildkröten und Wale alle gestorben. Dann wollten wir Tiger retten, dann sind die Tiger alle gestorben. Und man kann nichts dagegen machen. Ich meine, alle Tiere, die jetzt noch leben – das ist ja nur noch ein Witz: Derzeit sterben sogar die meisten Amphibien aus. Später habe ich mich mit den Anthropoden oder in meinem Fall mit Tintenfischen beschäftigt; die gehen alle kaputt, weil die Meere überfischt werden.

Beatrice Dernbach: Was hat das mit Deinem Verständnis als Wissenschaftler zu tun?

Mark Benecke: Mein Verständnis ist divers. Diversifizierung meint für mich, dass ich mich mit dem, was ich gerade mache, identifizieren kann. Wenn ich Kurse bei mir zuhause mache, trage ich Ommas Wollsocken. Wenn ich eine Abendveranstaltung mache, bin ich der Unterhalter. Wenn ich über seltsame Kriminalfälle rede, bin ich der Kuriose. Das wäre mein Selbstverständnis, und als Wissenschaftler ist dann das Selbstverständnis, nur der Wahrheit zu dienen, nicht an Gerechtigkeit zu glauben, nicht an Tierschutz zu glauben, nicht an das Gute zu glauben, nicht an das Böse zu glauben – sondern einfach nur an die Wahrheit zu glauben.

Beatrice Dernbach: Der Begriff Wahrheit flutscht wie Seife aus den Händen, oder?

Mark Benecke: Überhaupt nicht. Wahrheit in den Naturwissenschaften ist alles, was objektivierbar ist. Was nicht objektivierbar ist, ist Glaube; den kann man zwar messen, im Gehirn, wenn Leute beten, wo dann welche Gehirnregionen angehen und so weiter. Das ist was Anderes, das meine ich nicht. Eine politische oder religiöse Einstellung, die kann man organisch feststellen im Gehirn, das ist kein Problem. Aber die Ausprägung, ob ich an Buddha oder Allah oder das Spaghettimonster glaube – das ist reiner Glaube, das ist nicht objektivierbar. Da muss ich und würde ich mich niemals mit jemandem drüber streiten.

Aber es gibt viele Dinge, die sind objektivierbar – zum Beispiel: Ist dieser Spermafleck von einer bestimmten Person? Woher weißt du das? Ist das wirklich das Sperma von diesem Mann? Oder hat der vielleicht nur in dem Bett gepennt, und du hast die Hautzellen von dem gefunden? Oder es ist Sperma von jemandem, der azoosperm ist, also überhaupt keine Spermien ejakuliert, und du hast nur Prostataflüssigkeit. Das ist alles objektivierbar. Heißt das aber auch, dass dieser Mann der Täter war? Nein. Das ist nämlich in meiner Welt nicht mehr objektivierbar. Vielleicht war ein anderer Mann dabei. Oder eine Prostituierte hat das Betttuch aus dem Fenster geworfen? Das Wichtige ist, superkauzig und autistisch, scharf und zwanghaft zu trennen zwischen objektivierbar und nicht objektivierbar. Das ist mein Verständnis als Wissenschaftler und auch als Sachverständiger.

Beatrice Dernbach: Du hast die akademische Laufbahn bis zur Promotion durchschritten. Insofern bist Du im wissenschaftlich-akademischen System sozialisiert. Gehörst Du richtig zur Community?

Mark Benecke: Da bin ich wie ein Kamikaze gewesen. Ich forsche ja immer schon – wenn man's Forschen nennen will –, also ich arbeite, würde ich eher sagen, immer am Rand vom Rand. Als ich zum Beispiel die Analyse von genetischen Fingerabdrücken gelernt habe, war ich auf einmal als Biologe in der Rechtsmedizin; dann stand ich unten bei den Leichen. Vorher habe ich auf einer schrottigen Insel im Meer mit Tintenfischen gearbeitet, dann habe ich mir die Fadenwürmer und Insekten auf den Leichen angeguckt. Dann wieder zurück in die Zoologie; dann habe ich mit Vampirforschern zusammengearbeitet, die Musiker, Architekten oder sonst was sind. So springt das hin und her. Bei so einer Randständigkeit spielt das akademische System keine Rolle mehr. Da bin ich auch sofort rausgefallen.

Viele fragen mich oft ganz verwundert: Wie schaffst Du eigentlich so viele Sachen? Darauf sage ich: Indem ich arbeite?! Und keine Zeitverluste entstehen lasse oder notfalls auch doppelt so viel arbeite, zum Beispiel statt acht Stunden sechzehn Stunden.

Beatrice Dernbach: Als Typ gefällst Du damit den Medien unglaublich gut, oder?

Mark Benecke: Überhaupt nicht. Das ist nur ein ganz kleines Segment. Dem Boulevard gefällt das...

Beatrice Dernbach: …aber die Süddeutsche Zeitung und andere seriöse Blätter waren auch schon bei dir.

Mark Benecke: Ja, aber bei der Süddeutschen oder der FAZ ist das noch was Anderes. Für die Süddeutsche habe ich mal gearbeitet; oder bei der FAZ ist es so, dass die zum Beispiel ein Buch von mir kriegen, das bei einem Verlag erscheint, der für die Credibility hat – damals Droemer-Knaur-Kindler oder Rowohlt. Das sind wirklich echte Sekundär- und Tertiäreffekte. Die würden niemals sonst mit mir reden, beziehungsweise hätten es anfangs nicht getan. Heute ist das was anderes, vielleicht, weil ich jetzt eben durch meine „Marke“ ausgewiesen bin.

Beatrice Dernbach: Und wie ist das mit Fernsehen?

Mark Benecke: Fernsehen existiert für mich gar nicht, weil ich habe überhaupt keinen Fernseher. Fernsehen ist für mich eher ein Medium, in dem ich mit Leuten Sendungen mache – und der Teil, der nicht gesendet wird, den finde ich interessant. Der Vorteil am TV ist für mich, dass ich dabei coole Kontakte kriege. Zum Beispiel, dass ich mal eben nach Mailand fliegen und einen Kriminalfall angucken kann, den ich sonst niemals angucken könnte. Fernsehen hat, weil es sich an so eine breite Basis wendet, einen viel größeren Impact. Die TV-Kollegen können mir helfen, meine Arbeit zu machen. Das, was die senden, zum Beispiel bei den Talkshows, ist was völlig Anderes, das ist überhaupt nicht das, worum es geht. Das würde auch garantiert jeder Journalist sagen, der mit mir jemals zusammengearbeitet hat. Der würde sagen: Ja, gut, die Sendung war nett, aber die Faxen und Gedanken, die wir uns am Rand gemacht haben...

Christian Läßig: Wann ging das los mit der Medienaufmerksamkeit?

Mark Benecke: Das ging los mit Print, bei dem Fall Weimar; da sind Kinder umgebracht worden, vom Vater oder von der Mutter. Ich hatte in der Fachzeitschrift Kriminalistik einen Artikel darüber geschrieben. Und da hat der Richter mich angerufen und gefragt, ob man nicht anhand der Insektenspuren auf den Kinderleichen – da waren Maden drauf – etwas herausfinden könnte. Danach bin ich nach Amerika gegangen. Vorher hatte ich auf einer Tagung von Rechtsmedizinern einen Vortrag gehalten; da saßen alle so gelangweilt, aber bei meinem Vortrag haben alle gelacht. Das war wahrscheinlich das erste Mal seit 50 Jahren bei der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin, dass die Leute gelacht haben, im positiven Sinne. Der deutsche Richter, der zu dieser Zeit den Fall von der Pastorengattin hatte, der hatte den Vortrag auch gehört und mich dann kontaktiert, als ich in New York in der Rechtsmedizin angestellt war.

Das hat dann die Bild am Sonntag aufgegriffen. Die hatten offenbar hohe Budgets, und die Springer-Journalistin, die mich als einzige ausfindig gemacht hatte, kam nach ein paar Telefonaten sofort rübergeflogen. Die haben eine Seite 1-Geschichte draus gemacht. Zurück in Deutschland saß ich in diesem kleinen Gericht, so richtig im 60er Jahre-Stil, es roch auch danach... Dort war alles voll mit Pro7, Sat 1, RTL und anderen Privatsendern. So fing das an. Aber das wäre auch wieder eingeschlafen, nach 15 Minuten Ruhm oder besser Aufmerksamkeit. Es wurde auch ganz viel falsch berichtet, dass ich den Fall gelöst hätte und Ähnliches – dabei habe nicht im Geringsten den Fall gelöst, noch nicht mal ansatzweise.

Christian Läßig: In dem Bild am Sonntag-Artikel wurdest Du als „Herr der Maden“ bezeichnet.

Mark Benecke: Ja, das hat meiner Erinnerung nach damals die Journalistin erfunden.

Beatrice Dernbach: Du sagtest gerade, alles wäre wieder eingeschlafen. Wenn nicht was passiert wäre?

Mark Benecke: Wenn ich nicht nach Köln gekommen wäre, wo RTL und Vox sitzen. Die rufen mich an, schicken schnell vier Mann – oder heutzutage auch notfalls ein Ein-Mann-Team vorbei; auch ich fahr‘ mal schnell rüber, die Wege sind ja kurz. Ansonsten lassen wir uns komplett in Ruhe. Ich schick‘ denen niemals eine Pressemeldung, ich frage niemals, ob wir was zusammen machen können. Das heißt, die Journalisten fühlen sich von mir auch nicht genervt. Manchmal gibt es riesige Pausen, teilweise bis zu einem Jahr. Und dann stirbt so jemand wie Michael Jackson und ich bin wieder öfters im Fernsehen.

Und was ganz wichtig ist: Ich bin immer ansprechbar – auch sonntags. Die anderen sind sonntags oder abends überhaupt nicht erreichbar, da geht keiner von den Kollegen ans Telefon für irgendwas, was aus deren Sicht totaler Quatsch ist. Die Journalisten rufen mich Sonntagsnachts an, weil sie für montags was brauchen, weil einer zum Beispiel sechs Kinder im Keller eingesperrt hat. Das Einzige, was die haben, sind sechs Fotos, die sie von einem Bildschirm abfotografiert haben.

Christian Läßig: Dann ruft die Redaktion bei Dir an, bittet Dich rüber ins Studio und zeigt Dir diese Bilder? Da würde vermutlich mancher Kollege sagen: Bevor ich mich ins Fernsehen setze und irgendeinen Quatsch erzähle...

Mark Benecke: Genau, das ist der Unterschied. An einem solchen Fall kann ich den Unterschied erklären zwischen Was-glaube-ich und was-weiß-ich. Ich werde dann oft gefragt: Haben Sie schon mal so einen Fall gesehen? Dann antworte ich: Nein, so einen Fall habe ich noch nicht gesehen - das heißt aber nichts. Damit habe ich denen direkt ein kriminalistisches Prinzip untergejubelt. Oder die fragen: Können Sie ausschließen, dass der Täter dies oder jenes gemacht hat? Dann sage ich: Nein, ausschließen kann ich das nicht. Aber die Frage ist interessant. Es gibt nämlich die Regel von Arthur Conan Doyle, die besagt, dass erst, wenn alles ausgeschlossen ist, das, was übrig bleibt, stimmt – egal, wie unwahrscheinlich es ist. Auf einmal geht es nicht mehr um irgendeinen Keller, sondern darum, was wahrscheinlich und was unwahrscheinlich ist und was wir überhaupt beurteilen können. Das funktioniert.

Beatrice Dernbach: Wir sind die ganze Zeit zwischen den Medien hin und her gesprungen. Siehst Du Unterschiede zwischen Print und Fernsehen?

Mark Benecke: Fernsehen ist eigentlich ein Witz, weil es nur 0,1 Prozent von dem widerspiegelt, was wirklich passiert. Trotzdem kann ich mit dem Fernsehen tolle Projekte machen, die ich allein nie im Traum verwirklichen könnte. Als National Geographic früher noch richtig viel Geld hatte, haben wir eine tolle Vampirgeschichte in Transsylvanien gedreht. Die haben vorher alles recherchiert und die Locations klargemacht. Das ist ein Traum, da kannst du arbeiten. Da sitzt nicht nur dein Interviewpartner, der nur Rumänisch kann, sondern auch noch ein Übersetzer und das Hotel ist auch eins, wo einem nicht gleich die Schlappen geklaut werden, wenn man sich umdreht.

Christian Läßig: Du hast gesagt, vor allem der Boulevard interessiert sich für Dich. Du hast kein Problem damit, dass Boulevardmedien nur unterhalten wollen?

Mark Benecke: Nein, das stört mich überhaupt nicht. Ich hab‘ ja auch nicht das geringste Problem mit Unterhaltung. In meinen Abendvorträgen mache ich es nicht anders: Da jubel‘ ich den Leuten mindestens die zwanzig grundsätzlichen kriminalistischen Prinzipien unter. Das sag‘ ich denen auch noch: Sie können sich hier merken, was sie wollen – wenn Sie eine Sache mit nach Hause nehmen wollen, dann nehmen Sie die Prinzipien mit nach Hause, und dann zähle ich die noch einmal auf, das Locard-Prinzip, das Prinzip von Conan-Doyle, dass man nichts glauben soll, und so weiter. Das klappt wunderbar.

Beatrice Dernbach: Dann geht es doch nicht nur um Spaß, sondern du hast eine Botschaft?

Mark Benecke: Ja, ich hab‘ eine Botschaft, aber ich kann die nur durch Zufall verklickern. Wenn ich zum Beispiel angestellter Käferkundler im Museum wäre, hätte ich keine Chance, das zu machen. Ich mache das also nicht, um meine Botschaft zu verkünden, ich mache das, weil es mir Spaß macht. Aber irgendwie hat mir das Schicksal – das es natürlich nicht gibt – das geschenkt, dass ich nebenbei etwas erzählen kann, was über sich hinausweist.

Beatrice Dernbach: Noch einmal zum Unterschied zwischen Fernsehen und Print-Medien: Ist Gedrucktes für Dich glaubwürdiger?

Mark Benecke: Auch Print besteht zum Großteil aus Quatsch, Glamour und Klatsch. Eine ganze Reihe von Blättern, vielleicht die Süddeutsche und die Zeit und ein paar Regionalblättchen, werden noch eine Zeitlang überleben, weil die Leute sich einfach die Zeit nehmen, das zu lesen und einschätzen können, aus welcher Richtung das stammt. Das heißt, ein normaler Print-Leser hat eine Möglichkeit, das Gelesene in einen Rahmen, in ein Bezugssystem einzusortieren. Beim Fernsehen ist das nicht der Fall. Beim Fernsehen wandelt sich alles ständig. Oder es werden mal eben alle Beiträge wiederholt. Das ist mir passiert. Da sprechen mich die Leute an und sagen: Du warst im Fernsehen! Ich war aber garantiert nicht im Fernsehen, weil ich seit über einem halben Jahr nicht mehr gedreht habe. Ich gucke nach und stelle fest: Das war ein fünf oder zehn Jahre alter Beitrag. Das ist überhaupt nicht mehr überschaubar. Die Leute denken, wenn sie es im Fernsehen sehen, ist es auch aktuell.

Christian Läßig: Hältst Du Print höher, weil es weniger manipuliert?

Mark Benecke: Ich halte Fachzeitschriften hoch und sei es auch nur das Tätowiermagazin – und Sachberichte. Ich lese kaum Zeitung. Aber ich muss dazu sagen: Das Manipulierende, darüber lache ich. Die meisten Menschen denken, dass es irgendeine Kontrollinstanz gäbe, die das Gute, Richtige und Wahre filtern und kontrollieren würde oder könnte. Das ist der größte Witz der Menschheitsgeschichte. Es gibt nichts Neutrales, sobald man eine höhere Ebene erreicht. Ein Streichholz ist ein Streichholz. Ist das Rote daran aber vielleicht nur Farbe? Wer sagt denn, dass das wirklich Phosphor ist? Das kannst du wenigstens noch prüfen. Aber sobald es diese Spur verlässt, bist du verloren. Am schlimmsten ist es vor Gericht. Die durchschnittliche Gerichtsverhandlung ist schlimmer als das trashigste TV-Format, wo nur Horoskope verlesen werden. Bei den Horoskopen hast du noch die Möglichkeit zu sagen: Ach, Sterneguckerei, das hat die Omma immer gemacht, so ein Quatsch, das guck‘ ich mir jetzt zur Unterhaltung beim Bügeln an. Aber vor Gericht – denkst du – haben die Leute ein Mindestmaß an Vernunft. Das ist nicht so.

Sobald die Juristen ihre Finger im Spiel haben, geht alles den Bach runter. Aber die können nichts dafür. Wenn du Manipulationen auf der untersten Ebene aufdeckst, ist ja alles noch gut. Aber wenn du die Ebene erreichst, wo du denkst, man könnte nicht mehr viel manipulieren, da fangen die Probleme überhaupt erst an. Deswegen finde ich die Bild oder ein Anzeigenblättchen oder irgendein Trash-Format überhaupt nicht schlimm. Ich finde das andere schlimm, das Hochqualitative, von dem man denkt, dass das in irgendeiner Form Gültigkeit hätte.

Christian Läßig: Autorisierst Du prinzipiell alles?

Mark Benecke: Nur wenn es geht. Bei den Springer-Medien kriege ich nach zehnmaligem Nachfragen den Text am Telefon vorgelesen. Fernsehbeiträge kannst du überhaupt nicht autorisieren; das haben wir am Anfang versucht, und die bei RTL haben das damals so gemacht, dass sie den Film ohne Ton gezeigt haben. Inzwischen kenne ich das Geschäft und meine Gegenüber. Wir kämpfen alle mit offenem Visier. Aber ich würde niemals einem normalen Menschen raten, sich da einfach reinzubegeben, ohne das Risiko zu kennen. So wie beim Raab: Erst machen die Leute die Faxen mit, beschweren sich aber hinterher, wenn er sich lustig über sie macht. Passiert mir nicht, denn seine Redaktion und ich erwarten voneinander nur, dass wir alle höflich und cool und professionell sind und fertig.

Beatrice Dernbach: Bezahlen Dich die Medien?

Mark Benecke: Das kannst Du vergessen! Ich führe hier mit meinen Mitarbeiterinnen so eine Art Subsistenzwirtschaft. Nur beim Fernsehen kriege ich manchmal ein kleines Honorar, das ist aber ein Scherz. Von Gunther von Hagens, bei dem ich früher gearbeitet habe, habe ich gelernt: Bei Print-Leuten oder bei Leuten, die Bücher schreiben, geht es nicht um Geld; das sind sehr interessante Gesprächspartner, die man sonst niemals treffen würde und die eine sehr andere Sicht auf die Dinge haben, die ganz anders fragen. Das ist sehr, sehr wertvoll. Gunther von Hagens hat dazu gesagt: Das ist wie eine Therapie – da müsstest du eigentlich den Journalisten was zahlen; beim Psychologen würde das 120 Euro die Stunde kosten. Die Journalisten unterhalten sich gratis mit dir.

Beatrice Dernbach: Kommen wir zu den Reaktionen Deiner Umwelt. Mit den Medien kommst Du offensichtlich gut klar – wie ist das mit den Wissenschaftlern?

Mark Benecke: Das ist eine Charakterfrage. Von meiner Gattin, die Psychologin ist, habe ich über Beziehungen im allerweitesten Sinne gelernt, dass alles von der jeweiligen Weltanschauung abhängt. Die ist aber schon vorab unabänderlich geprägt. Ist ein Wissenschaftler zum Beispiel Protestant und war er beim Militär, wird der das vielleicht nicht so cool finden, was ich mache; und jemand, der Katholik und Kiffer ist, der guckt mich vielleicht an und denkt: Der ist bestimmt wie ich, obwohl das überhaupt nicht stimmt. Noch ein Beispiel: Leute bitten mich oft, mal wieder einen Vortrag zu halten – weil es immer so lustig ist und locker ist. Würde ich nun wie eine Frau denken, würde ich sagen: Soll das etwa heißen, dass der Inhalt zwar schlecht, aber unterhaltsam ist? Als Mann sage ich: Toll, dass die mich fragen! Aber beides stimmt nicht. Viele Leute wie ich meinen einfach genau das, was sie sagen, da muss man nichts rein interpretieren.

Ein zweites Beispiel: In den USA mache ich zusammen mit dem bekanntesten Rechtsmediziner jedes Jahr bei der Tagung der Rechtsmediziner die größte Session, wo alle Leute hingehen, die Chemiker, die Ingenieurswissenschaftler, die forensischen Biologen, die Juristen und so weiter. Wir nennen uns „Talking Heads“, weil man im Fernsehen oft nur unsere sprechenden Köpfe sieht. Wir sind der Meinung, dass wir etwas Intelligentes auch unterhaltsam sagen können, und deshalb machen wir das. Die Kolleginnen sehen das genauso; wie gesagt, es ist die meistbesuchte Veranstaltung des Kongresses.

Beatrice Dernbach: Das ist doch ein gutes Stichwort: Beschreibe doch bitte die Unterschiede zwischen Amerika und Deutschland, zum einen im wissenschaftlichen Bereich, aber auch im Hinblick auf den Umgang mit Medien.

Mark Benecke: Ich komme mit den deutschen Medien besser klar, weil die U.S.-Amerikaner die sind so Ärmel-hoch-und-durch, was aber auch heißt: Du kannst über jeden Stuss eine Pressemitteilung rausgeben über die Pressestelle deiner Uni. Es gibt Unis, die immer zitiert werden, zum Beispiel die Johns Hopkins in Baltimore. Das liegt daran, dass die pro Tag zehn Pressemitteilungen produzieren. Andere Unis, die das nicht machen, die sind eben seltener in der Presse. Was ich dagegen in Deutschland eher süß finde, ist dieses Konstrukt der Bewunderung für alles, was aus den USA kommt – oder zurückkommt, wie ich damals. Das ist so ein Aberglaube, dass alle nur nach Amerika wollen, weil es da viel besser ist. Wir lachen immer, wenn in einem Bericht steht, dass amerikanische Wissenschaftler etwas herausgefunden haben – was ist denn ein Amerikaner, und was ist ein amerikanischer Wissenschaftler? Und was heißt herausgefunden? Da brauchst du gar nicht weiterzulesen.

Neuerdings sind es auch mal die Koreaner, die in solchen Meldungen auftauchen. Aber du hast noch nie pauschal gelesen: Italienische oder spanische Wissenschaftler – da steht immer ausdrücklich der Name dabei, zum Beispiel Ronaldo Ramirez von der Universität Barcelona. Das kann man ja nachprüfen, da weiß man ja nie so genau, ob der nicht doch Murx gebaut hat. Aber den Amerikanern, denen glaubt man medial fast alles -- Hauptsache die Kolleginnen sind aus den USA. Aber das ist nur eine Kleinigkeit. Was ich mag bei den Amerikanern sind die Fach-Magazine, davon haben sie sehr viele, auch skeptische. Wenn die über was berichten wollen, fahren die gerne hin und gucken sich das mit hemdsärmliger Neugier an. So wie damals – da war ich bei den Magnetischen Bergen auf den Philippinen; ich bin hingefahren, hab‘ mir angeguckt, warum der Berg angeblich magnetisch ist, und fertig. Das gefällt mir. Das machen die Deutschen nicht so gern; die sitzen lieber da und denken erst mal nach und versuchen, das alles vernünftig zu planen. Die bessere Methode ist die deutsche, auf jeden Fall, aber die coolere ist die amerikanische.

Beatrice Dernbach: Zurück nach Deutschland. Seit elf Jahren präsentierst Du jeden Samstagmorgen im Programm Radio Eins beim Sender Radio Berlin-Brandenburg eine fünf- bis zehnminütige Sendung zu irgendeinem wissenschaftlichen Thema. Die Beiträge können auch als Podcast heruntergeladen werden. Wie ist diese Sendung zustande gekommen?

Mark Benecke: Das war reiner Zufall. Ich bin Mitherausgeber von den Annals of Improbable Research an der Harvard-Universität. Das ist eine Zeitschrift, in der Wissenschaftler ein bisschen wie Kinder Fragen stellen und die Leser ermuntern, das Geschriebene zu hinterfragen, zu überprüfen, auch mal mit eigenen Experimenten. Wir verleihen jedes Jahr in Harvard die Spaßnobelpreise. Und vor über zehn Jahren kam eine Anfrage vom rbb, ob wir nicht eine Sendung über das absolute Schwarz machen könnten. Als die Sendung vorbei war, meinte die Redakteurin, das sei ganz nett gewesen – und die konnte kaum glauben, dass mir bestimmt noch 500 solcher Themen eingefallen sind. Jetzt läuft die Sendung seit mehr als zehn Jahren.

Du musst dir das vorstellen: Samstag war für mich früher der einzige freie Tag, wenn überhaupt. Trotzdem stehe ich seitdem jeden Samstagmorgen auf, egal, was ich am Freitagabend gemacht habe. Ich muss aufstehen, die Sendung vorbereiten; ich lese die Original-Studien und nicht die Agenturmeldungen. Ich besorge mir die echten Papers von den echten Forschern, egal ob es ein Physiker, ein Molekularbiologe, ein Kulturwissenschaftler oder ein Psychologe ist. In elf Jahren haben wir die Sendung nur zwei Mal vorproduziert und einmal ist sie ausgefallen – und zwar nur deswegen, weil ich da in Vietnam war und die Dame an der Hotelrezeption so schlecht Englisch konnte, dass die nichts verstanden und den Anruf nicht durchgestellt hat. Seitdem gehe ich in Hotels direkt zur Rezeption, damit die mich nicht verbinden müssen. Die Sendungen sind ja zu Horrorzeiten, wenn ich in den USA oder in Brasilien oder in Mexico oder sonstwo bin, ist es ja drei Uhr nachts oder so.

Beatrice Dernbach: Noch einmal die Frage: Warum machst du das?

Mark Benecke: Das ist eine der Sachen, die ich richtig geil finde. Weil damit erreichst du eine superinteressante Zielgruppe, die zwischen allem steht, wovon wir bis jetzt geredet haben. Das sind total andere Leute, die in Berlin-Brandenburg auch zu den Veranstaltungen kommen – auch, weil die diese Sendung hören. Das sind Leute, die von Wissenschaft so was von keine Ahnung haben; die kennen noch nicht mal den Unterschied zwischen Chemie und Biologie, nicht alle natürlich, aber viele von denen. Viele fragen auch zum Beispiel: Wieso gibt's denn noch was zu erforschen, es ist doch alles erforscht? Das ist das Beste, was einem als Wissenschaftler passieren kann. Irgendwie mögen die einen, man ist irgendwie zertifiziert, weil man im öffentlich-rechtlichen Radio läuft; dann finden die einen unterhaltsam und hören vier, fünf Minuten zu.

Deshalb geht es in der Sendung nicht um irgendein unnötiges Faktenwissen, sondern um die Frage, wie man Dinge prüft. Das umfasst nicht nur die Natur-, sondern auch die Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften, das ginge sonst auch nicht. Die echte Überschrift der Sendung müsste eigentlich lauten: Wie prüfe ich Dinge objektiv? Nicht nur kulturwissenschaftlich, nicht nur gesellschaftswissenschaftlich, nicht nur sozialwissenschaftlich, sondern auch naturwissenschaftlich. Und das ist der Clou: Man kann jede gesellschaftswissenschaftliche, sozialwissenschaftliche, kulturwissenschaftliche Frage auf einen naturwissenschaftlichen Kern hin untersuchen und beantworten. Vieles ist ja bekannt: Wir wissen zum Beispiel, was im Gehirn beim Beten passiert. Wir wissen, warum Ehen scheitern; es ist untersucht, was Handystrahlen sind und ob die schädlich sind.

Wir wissen, warum Leute, wenn sie verliebt sind, am Anfang eine rosarote Brille auf haben und später nicht mehr. Der Witz an der Sache ist, dass man sagen kann: Sie können glauben, was Sie wollen, Sie können mögen, wen Sie wollen, Sie können jede sexuelle Vorliebe haben, die Sie wollen, Sie können Musik hören, die Sie wollen, Sie können machen, was Sie wollen – aber denken Sie immer daran, dass es unglaublich viele Dinge gibt, die sind untersucht und bekannt und die sind nicht zwischen Himmel und Erde jenseits der Schulweisheit.



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