2013 06 Tätowiermagazin: Der rheinische Patient

From Mark Benecke Forensic Wiki
Jump to: navigation, search
Taetowier magazin logo.jpg

Quelle: Tätowiermagazin 06/2013, Seite 144

Der rheinische Patient

Kolumne mit Mark Benecke

[Weitere Artikel von MB] [Artikel über MB]

VON MARK BENECKE


Das letzte Wort 06 13.jpg
Ausgerechnet das Bundesinstitut für Risikobewertung hatte zu einem Aufklärungstag geladen, bei dem mir Daniel Krause ein Tattoo verpasste (TM 11/2012, S. 102). Zwischen Tierversuchs-Infos, Bubble Tea und Tätowierfarben wuselten Michael Porath und seine Frau Petra strahlend herum. Alle Anwesenden hatten merklichen Höllenrespekt vor den beiden – Tattoo-Farbenhersteller wie Risikoprüfer. Michael ist nämlich der Kronzeuge dafür, dass Tätowieren manchmal richtig schiefgehen kann – ohne dass irgendwer was dafür kann.


Das kam so: Nach dem Stechen eines schicken Pieces im Sommer 2011 entwickelte Michael eine mördermäßige Allergie gegen eine der Farben. Zwei Monate später schickte ihn sein überforderter Hautarzt in die Kölner Uniklinik. Dort schnitt man ihm (Michael, nicht dem Hautarzt) im März 2012 Teile der tätowierten Haut sowie einige Lymphknoten raus. Autsch, aber logo: Die Allergie erzeugende Tattoo-Farbe wandert teils in diese Filterstationen des Körpers.


Michaels Hautwunde schmerzte leider dermaßen, dass er im Krankenhaus drei Wochen lang zum täglichen Verbandswechsel unter Morphium gesetzt wurde. Erst nach der Hauttransplantation im Juni 2012 war die Sache so langsam geritzt und Michael konnte wieder schmerzfrei lachen. »Großes Lob an die Ärzte und Pfleger in Köln«, sagt der rheinische Patient fröhlich.


So weit, so scheiße gelaufen. »Vor zwanzig Jahren kriegte ich mein erstes Tattoo. Jetzt ist für mich Schluss damit«, berichtet Micha verständlicherweise. Aber jetzt kommt’s: Tattoos hat er immer noch lieb – genauso wie seine Frau. »Ich fand Tattoos schon immer geil, und Michael mag sie auch noch«, berichtet Petra zu meiner Erleichterung. »Mein erstes Hautbild stammt vom 29. Juli 1982 – von Herbert Hoffmann in Hamburg gestochen. Zu meinem sechzigsten Geburtstag haben wir dreißig Jahre später wieder ein Studio beschnuppert. Die Chemie stimmte, und so habe ich vor kurzem eine Libelle und schöne Lilien bekommen. Partnertattoos finden wir zwar doof, aber wir mögen uns eben beide tätowiert«, lachen die beiden Ultrasympathen.


Was lernt man nun daraus? Ich würde sagen: Eine tätowierte Liebe kann kaum etwas erschüttern, noch nicht mal eine Hauttransplantation. Und statt Hass und Verbitterung gegen Tattoos ist was viel Cooleres im Herzen des Löwen entstanden: Eine neue Freundschaft. Denn wäre Michael nicht allergisch auf die Tätowierfarbe gewesen, dann hätten wir alle uns niemals getroffen. Und dann wäre diese Geschichte, dreißig Jahre nach Herberts Einsatz in Hamburg und drei Jahre nach seinem Tod in der Schweiz, nicht hier in seiner alten Kolumne gestanden ...

Alles fließt.


Der Eure, im Namen tätowierter Verbundenheit, auch im Angesicht von Murx und Morphium – Marky Mark.


Lesetipps


Mark Benecke, Ph.D. · Certified & Sworn In Forensic Biologist · International Forensic Research & Consulting · Postfach 250411 · 50520 Cologne · Germany · E-Mail: forensic@benecke.com, www.benecke.com · Emergencies: Text / SMS / text messages only (never call me): +49 171 177 1273 -- anonymous calls & suppressed numbers will never be answered. Dies ist eine Notfall-SMS-Nummer (für aktuelle kriminalistische Notfälle). Nur SMS; bitte rufen Sie niemals an. · If it is not a real emergency, send an e-mail, pls. · Facebook Fan Site · Forensic Books & Boxes · Skull Logo Shirts · Neue Benecke-Squarespace-Seite