2007-02 Metalglory Weltchronik Interview

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Quelle: Metal Glory, Februar 2007

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[Mehr Benecke-Presse-/Medien-Informationen]

Bei der Premiere der "Weltchronik" am 31.Januar diesen Jahres im Berliner Babylon hatte ich das Vergnügen Dr. Mark Benecke, Forensiker, als Gast einer etwas ungeordneten, dennoch durchaus charmanten, nennen wir es mal "Talkrunde", zu begegnen. Und da bot es sich doch an ihn gleich einmal nach einem Interview für Metalglory zu fragen...

Hallo Mark und tausend Dank, dass du dir ein wenig deiner kostbaren Zeit abzweigst um meine Fragen zu beantworten!

Was genau hast du denn alles studieren müssen, um dich nun Dipl.-Biol. Dr. rer. medic., Certified Forensic Biologist & Sworn In Expert for Biological Stains, International Forensic Research & Consulting nennen zu können? Und was genau bedeutet das im einzelnen?

Ich suche und untersuche Spuren von Tatorten, also Blut, Haare, Sperma, Urin, Kot, Speichel und Insekten. Studiert hab ich Biologie -- typisch deutsche Frage, höhö.

Wie sieht denn dein "Arbeitsalltag" aus?

Ich gehe mit den Ermittlern zum Tatort und suche nach Insekten, die sich auf der Leiche angesiedelt haben. Aus der Größe und dem Entwicklungsstadium kann man zum Beispiel schließen, wie lange die Leiche schon liegt. Oder man findet in den Larven Gifte, die in der Leiche selbst schon nicht mehr nachweisbar sind. Ein anderes wichtiges Gebiet ist die Vernachlässigung von alten Leuen und Kleinkindern. Es gibt Insekten, die gehen nur auf Kot und Urin. Und wenn ich die in einer Windel finde, lässt sich errechnen, wie lange jemand vernachlässigt wurde. Bei Blutspuren geht es meist um die Verteilung des Blutes und wie sich die Personen bewegt haben, die blutig waren.

Deine Arbeit ist oft sehr... na ja, Splatter eben. Üben Horrorfilme da noch irgendeinen Reiz auf dich aus?

Siehe Foto-Anlage  ;-) -- Sind übrigens alles Originale, aber ich hasse die ganze DVD-Bonusscheisse und tu deswegen nur die Filme in so Einheits-Boxen. Was Horror ist, muss jeder für sich selbst rausfinden; ich finde Fernsehen Horror und Lüge und Beschiss und Nervtöterei, dagegen kommt kein Film an...

Inwieweit hat sich durch deine Ausbildung deine Sicht auf das Leben und den Tod oder das Sterben geändert?

Das hat eher was mit Biologie als mit Forensik zu tun: Als Biologen sehen wir, dass es biologisch sinnvoll ist, zu sterben (nicht unbedingt durch Gewalt, aber durch Altern). Darüber hab ich vorn paar Jahren auch maln´ Buch geschrieben („Der Traum vom Ewigen Leben“, ist in jedem Buchladen zu haben).

Das Thema ist für BiologInnen easy: Sterben ist okay, wenn's natürlich geschieht, und Gewalt ist halt ein Produkt der oft genetisch programmierten „Leidenschaften“ oder Todsünden, denen wir uns nur selten entziehen können.

Du unternimmst sehr viele Reisen neben deinem Beruf und hältst diverse Vorträge über alle möglichen Themen und scheinst immer für alles neue und Abgedrehte offen zu sein. Warum machst du dir immer wieder diesen "Stress" (?)?

Weil ich irgendwie meine Miete, mein Klopapier, das Geld für meine Mitarbeiterinnen, das Porto, den Strom und meine Putzlappen zusammenkriegen muss. Abgesehen davon ist es geil, in allen möglichen Kulturen zu arbeiten, checkt mal unter www.benecke.com die Foto-Galerien aus Medellin (einfach in die benecke.com-Suchmaschine „medellin“ eingeben), Gladbach, Marburg, New Orleans und Schlangenbad -- ich hab schnell gelernt, dass es Gut und Böse und richtig und falsch nur abhängig von der jeweiligen Kultur gibt...das ist schon ein cooles Gefühl. Ich komm mir vor wie ein Strider (Streicher), der Hobbits, Zwerge, Magiere und Balrogs kennt oder zumindest was über sie weiß...

Du hast ja eine seht schöne und wirklich informative Homepage (www.benecke.com) updatest du die immer selbst?

Jau, mit klein bisschen Hilfe meiner Mitarbeiterin Saskia und meines Kumpels Klaus, der die janze Sache kürzlich wikifiziert hat. Ansonsten mach ich es aber selbst, im Schnitt sitz ich pro Tag ein bis zwei Stunden dran. Geht aber nicht anders; wenn ich den ganzen content immer jedem einzeln durchfunken müsste, müsste ich mich klonen -- das kann aber keiner wollen  ;-)

1997 war es wohl, als du mit deiner damaligen Band (wie habt ihr euch eigentlich genannt?) im MEGADEATH Shirt den Schlager "Flieg´ nicht so hoch mein kleiner Freund" von Nicole geschmettert hast. Da kann man nun nicht wirklich gleich auf eine Metal-Vergangenheit schließen, oder?

Die Band hieß „Die Blonden Burschen“ und wir waren gemäß dem Bandmotto konsequent „geschmacklos, langweilig und peinlich“. Diesen Anspruch haben wir voll erfüllt, und zum Repertoire gehörte neben Nicole auch ein bisschen Metal, aber auch elektronisches Zeugs, Liedermachergut auf der Klampfe und so weiter, meist selbst fabriziert. Kannste Dir wie ne Mischung aus Ärzte und Reinhard May auf Speedballs vorstellen. Die Metalshirts hatte ich immer an wegen den schönen Motiven, auch im Labor. Fanden manche Leute komisch („oh Gott, sieht es so in deiner Seele aus oder was!?“), was mir aber wurscht war. Bloß vor meiner Doktorprüfung in der Rechtsmedizin hätte ich vielleicht das Shirt mit dem Kerbtier, ich glaub von Tiamat, ausziehen sollen -- da wollten sie mich original rausschmeißen. Ist aber aus unerklärlichen Gründen noch mal gut gegangen, vermutlich, weilse meinten, dass bei mir eher ne Schraube lose ist.

Du stehst ja mehr auf EBM, wie hast du zu dieser Musik gefunden? MEGADEATH war doch einst ein guter Start!

Ja nee, Elektro-Gitarren find ich eigentlich scheiße, auch wenn Ihr mich jetzt nicht mehr mögt. Bei My Dying Bride und Rammstein lass ich sie gerne gelten, aber ansonsten find ich so Gitarrengeschrammel und „Riffs“ etwas retro und Seventies. Ich bin ein echter Gothic- und Elektroboy, checkt mal EBM...sorry, gnnnn... Leichtmetall war für mich anfangs ein Einstieg in die janze Musikecke weg von Pop, besonders durch Type O, Theatre of Tragedy, The Gathering und so. Das wars dann aber schon, ich bin auf EBM kleben geblieben.

Du warst im Berliner Duncker gewesen, wie bist du denn auf den Club gekommen? Und hat es dir dort gefallen? Nette Tresenkräfte gibt es dort, oder?

Die Tresenkräfte konnte ich nicht erkennen, da ich als Oldschool-Gothic-Elektriker natürlich nachts mit Sonnenbrille unterwegs bin...ahem! Ansonsten ist der Laden okay, aber Montags legen sie etwas sehr retromäßig auf. Die Atmo ist tipptopp, zum Limotrinken und Tresenkräfte kennen lernen sicher ebenso geeignet wie dazu, den bekloppten Normalos zu entfliehen. Man braucht halt in jeder Stadt einen Coven, der Duncker geht da, aber auch das zu Unrecht verpönte Last Resort/Last Cathedral, der Dark Club in Köln, das Nerodom in München usw.

Beim Berliner "Vortrag" hast du eines deiner Lieblings-Videos gezeigt. KNORKATOR "Wir werden". Warum ist dies dein favorisiertes Video? Oder hättest du doch lieber ein anderes gezeigt? Vielleicht einen Film von Jörg Buttgereit?

Also, die Filme mit Jörg (außer „Mein Papi“) sind vielleicht bisschen zu lang für so nen Abend, aber ich habe ja schon selbst mit ihm gedreht (März 2007, ARTE „Durch die Nacht mit Michaela Schaffrath und Ralf König“) und es sollte auch was Aktuelles sein. Normalerweise hätte ich Rammstein, Chris Cunningham oder Blutengel genommen, aber es sollte mal was anderes sein. Und was passt da besser als „Wir werden alle sterben“?  :-)

Hast du denn auch einen speziellen Autor dessen Bücher du verschlingst?

Nö. Halt, oder doch: E.C. Segar, Winsor McCay und Carl Barks/Erika Fuchs. Fucking A+!

Und wie steht es mit einem Lieblings Künstler?

Michael Hutter Kunstkrake; ich habe aber auch ne Schwäche für Richard Kern und peinlicherweise für Victoria Francés (bitte nicht weitersagen!).

Wobei wir ja eigentlich schon beim Thema Hobbys wären. Hast du überhaupt noch freie Zeit?

Ich hab eigentlich NUR freie Zeit: Ich mach genau das, wozu ich Bock habe. Ist zwar anstrengend, aber wunderschön.

In jedem Fall hast du gerade einige Minuten geopfert, wofür ich dir sehr dankbar bin. Die letzten Worte gehören dir:

Äh, danke. „Stay black! Come out, come out, wherever you are!“

Vielen Dank Mark, dass du dir die Zeit genommen hast meine Fragen zu beantworten. Und auch dir wünsche ich weiterhin erfolgreiches Schaffen und viele spannende Fälle! Tonnenweise weitere Informationen gibt es unter http://www.benecke.com/



geführt von "Steffi" am 7. Februar 2007





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