Difference between revisions of "2004 Magische Welt: Frappierender Fraps"

From Mark Benecke Forensic Wiki
Jump to navigation Jump to search
Line 9: Line 9:
  
  
Manche Ereignisse werfen ihre Schatten an Orten voraus, die man unm&ouml;glich (noch nicht einmal mittels des BrainTester 1.0, Abb. 1*) voraussehen kann. So passierte es mir am 10. Mai 2004, als ich die internationale und hochseri&ouml;se Messe <i>Analytica</i> in M&uuml;nchen wissenschaftlich er&ouml;ffnete.  
+
Manche Ereignisse werfen ihre Schatten an Orten voraus, die man unm&ouml;glich (noch nicht einmal mittels des BrainTester 1.0, Abb. 1*) voraussehen kann. So passierte es mir am 10. Mai 2004, als ich die internationale und hochseri&ouml;se Messe <i>Analytica</i> in M&uuml;nchen wissenschaftlich er&ouml;ffnete.<br>
<br>
 
<br>
 
Als ob diese Aufgabe nicht schon genug Grund f&uuml;r Aufregung w&auml;re, hatte ich wenige Minuten zuvor mit Schreck erfahren, dass mein wissenschaftliches Vorbild Ed Southern, hei&szlig;er Kandidat f&uuml;r einen Nobel-Preis, gleich auftauchen w&uuml;rde. W&auml;hrenddessen kniete neben mir unbeeindruckt ein offenbar Gleichalter mit runder Brille und verschlankte elegant eine Spielkarte. Aus seinem alten Koffer ragten zudem ein Plastikgehirn und ein St&auml;nder mit seltsam daran montierten Kabeln.
 
  
<br>
 
<br>
 
Am Werk war Thomas Fraps, der sich in diesem Rahmen f&uuml;r seine und Pit Hartlings Premiere ihres ersten abendf&uuml;llenden Programmes warm machte, das nicht umsonst die Zeile "Labor ist Trumpf" im Untertitel f&uuml;hrt. Unglaublicherweise gelang es Fraps am Ende der Messe-Er&ouml;ffnung, eine spontan und perfekt an den Vorredner (mich) sowie den &uuml;blichen wissenschaftlichen Kongress-Stil (tonnenweise Power-Point-Folien) angelehnte Vorf&uuml;hrung zu zeigen, ohne dabei das Publikum im sonst &uuml;blichen Wissenschafts-Parodie-Stil (weisser Schnurrbart, Laborkittel, Qualm und farbige Fl&uuml;ssigkeiten) zu veralbern.
 
<br>
 
<br>
 
Das funktionierte nicht nur, weil Fraps einige Semester Physik studiert hat, bevor er sich in den letzten zehn Jahren immer mehr zum Berufs-Zauberer entwickelte, sondern vor allem, weil er sich zus&auml;tzlich korrekt die wichtigsten Begriffe aus dem bioanalytischen Genre angeeignet hatte. Im entscheidenden Moment gelang ihm so stets die (nat&uuml;rlich auch wortw&ouml;rtliche, Abb. 2*) Verkn&uuml;pfung von sehr gut ausgef&uuml;hrter Illusions-Kunst mit der echten Denk-Welt der Anwesenden: Eine Seil-Nummer wurde zu einem DNA-Trick (die Erbsubstanz DNA ist ein langes, fadenf&ouml;rmiges Molek&uuml;l), aus einer unverd&auml;chtigen Flipchart donnerte auf einmal eine Bowling-Kugel und eine Karten-Vorhersage wurde zum angeblich physikalischen Gehirnwellen-Experiment (Abb. 3, 4*).
 
  
<br>
+
Als ob diese Aufgabe nicht schon genug Grund f&uuml;r Aufregung w&auml;re, hatte ich wenige Minuten zuvor mit Schreck erfahren, dass mein wissenschaftliches Vorbild Ed Southern, hei&szlig;er Kandidat f&uuml;r einen Nobel-Preis, gleich auftauchen w&uuml;rde. W&auml;hrenddessen kniete neben mir unbeeindruckt ein offenbar Gleichalter mit runder Brille und verschlankte elegant eine Spielkarte. Aus seinem alten Koffer ragten zudem ein Plastikgehirn und ein St&auml;nder mit seltsam daran montierten Kabeln.<br>
<br>
 
Der tricktechnische Material-Aufwand war gering, so dass zun&auml;chst auch &uuml;berhaupt nicht auffiel, was da am -- noch nicht einmal umgebauten -- Redner-Pult geschah. Umso mehr staunte das Publikum &uuml;ber den scheinbar jungen Wissenschaftler im ordentlichen Kongress-Anzug (Abb. 5*) und lobte die Veranstalter nach seinem Outing sehr f&uuml;r dessen Einladung. Der vielleicht interessanteste, aber auch eigent&uuml;mlichste Kommentar: "Na also, wir Deutschen k&ouml;nnen auch anders, hihihi!"
 
<br>
 
<br>
 
Ich habe so etwas noch nie gesehen und dr&uuml;cke Thomas Fraps und Pit Hartling die Daumen f&uuml;r ihr solides, sch&ouml;nes und ganz offenbar auch bezauberndes Konzept. Besonders gespannt bin ich auf die Elementar-Teilchen, die das Programm k&uuml;nftig zwanglos bev&ouml;lkern bzw. durchdringen sollen. Wenn mich nicht alles t&auml;uscht, haben die beiden eine neue Sparte der Zauberkunst erfunden, ohne es selbst bemerkt zu haben. Vorl&auml;ufig schlage ich daf&uuml;r folgenden Namen vor: "Illusionen, die auch gestandenene WissenschaftlerInnen Ernst nehmen und trotzdem dorthin zur&uuml;ck entf&uuml;hren, wo sie einmal am liebsten waren: Auf den K&uuml;chenboden, mit Klingeldraht und Becherglas."
 
  
 +
 +
Am Werk war Thomas Fraps, der sich in diesem Rahmen f&uuml;r seine und Pit Hartlings Premiere ihres ersten abendf&uuml;llenden Programmes warm machte, das nicht umsonst die Zeile "Labor ist Trumpf" im Untertitel f&uuml;hrt. Unglaublicherweise gelang es Fraps am Ende der Messe-Er&ouml;ffnung, eine spontan und perfekt an den Vorredner (mich) sowie den &uuml;blichen wissenschaftlichen Kongress-Stil (tonnenweise Power-Point-Folien) angelehnte Vorf&uuml;hrung zu zeigen, ohne dabei das Publikum im sonst &uuml;blichen Wissenschafts-Parodie-Stil (weisser Schnurrbart, Laborkittel, Qualm und farbige Fl&uuml;ssigkeiten) zu veralbern. <br>
 +
 +
 +
Das funktionierte nicht nur, weil Fraps einige Semester Physik studiert hat, bevor er sich in den letzten zehn Jahren immer mehr zum Berufs-Zauberer entwickelte, sondern vor allem, weil er sich zus&auml;tzlich korrekt die wichtigsten Begriffe aus dem bioanalytischen Genre angeeignet hatte. Im entscheidenden Moment gelang ihm so stets die (nat&uuml;rlich auch wortw&ouml;rtliche, Abb. 2*) Verkn&uuml;pfung von sehr gut ausgef&uuml;hrter Illusions-Kunst mit der echten Denk-Welt der Anwesenden: Eine Seil-Nummer wurde zu einem DNA-Trick (die Erbsubstanz DNA ist ein langes, fadenf&ouml;rmiges Molek&uuml;l), aus einer unverd&auml;chtigen Flipchart donnerte auf einmal eine Bowling-Kugel und eine Karten-Vorhersage wurde zum angeblich physikalischen Gehirnwellen-Experiment (Abb. 3, 4*).<br>
 +
 +
 +
Der tricktechnische Material-Aufwand war gering, so dass zun&auml;chst auch &uuml;berhaupt nicht auffiel, was da am -- noch nicht einmal umgebauten -- Redner-Pult geschah. Umso mehr staunte das Publikum &uuml;ber den scheinbar jungen Wissenschaftler im ordentlichen Kongress-Anzug (Abb. 5*) und lobte die Veranstalter nach seinem Outing sehr f&uuml;r dessen Einladung. Der vielleicht interessanteste, aber auch eigent&uuml;mlichste Kommentar: "Na also, wir Deutschen k&ouml;nnen auch anders, hihihi!"<br>
 +
 +
 +
Ich habe so etwas noch nie gesehen und dr&uuml;cke Thomas Fraps und Pit Hartling die Daumen f&uuml;r ihr solides, sch&ouml;nes und ganz offenbar auch bezauberndes Konzept. Besonders gespannt bin ich auf die Elementar-Teilchen, die das Programm k&uuml;nftig zwanglos bev&ouml;lkern bzw. durchdringen sollen. Wenn mich nicht alles t&auml;uscht, haben die beiden eine neue Sparte der Zauberkunst erfunden, ohne es selbst bemerkt zu haben. Vorl&auml;ufig schlage ich daf&uuml;r folgenden Namen vor: "Illusionen, die auch gestandenene WissenschaftlerInnen Ernst nehmen und trotzdem dorthin zur&uuml;ck entf&uuml;hren, wo sie einmal am liebsten waren: Auf den K&uuml;chenboden, mit Klingeldraht und Becherglas."<br>
  
  
<br>
 
<br>
 
 
(* dieser .html-Text ist die Roh-Fassung vor Druck-Legung und kleinen &Auml;nderungen im <i>mw</i>-Heft. Nicht alle Abbildungen sind abgedruckt.)<br>
 
(* dieser .html-Text ist die Roh-Fassung vor Druck-Legung und kleinen &Auml;nderungen im <i>mw</i>-Heft. Nicht alle Abbildungen sind abgedruckt.)<br>
<br>
+
 
Kurz-Vita Mark Benecke&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br
+
 
 +
Kurz-Vita Mark Benecke&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br>
 
Mark Benecke &auml;ugt als
 
Mark Benecke &auml;ugt als
 
Kriminal-Biologe auf alles Randst&auml;ndige. Er ist Mitglied im
 
Kriminal-Biologe auf alles Randst&auml;ndige. Er ist Mitglied im

Revision as of 22:35, 4 December 2016

Quelle: Magische Welt, 3/2004, 53. Jg., Seite 133

"Frappierender Fraps*"

Als Wissenschaftler getarnt -- als Zauberkünstler verblüfft

[Weitere Artikel von MB] [Artikel über MB]

VON MARK BENECKE


Manche Ereignisse werfen ihre Schatten an Orten voraus, die man unmöglich (noch nicht einmal mittels des BrainTester 1.0, Abb. 1*) voraussehen kann. So passierte es mir am 10. Mai 2004, als ich die internationale und hochseriöse Messe Analytica in München wissenschaftlich eröffnete.


Als ob diese Aufgabe nicht schon genug Grund für Aufregung wäre, hatte ich wenige Minuten zuvor mit Schreck erfahren, dass mein wissenschaftliches Vorbild Ed Southern, heißer Kandidat für einen Nobel-Preis, gleich auftauchen würde. Währenddessen kniete neben mir unbeeindruckt ein offenbar Gleichalter mit runder Brille und verschlankte elegant eine Spielkarte. Aus seinem alten Koffer ragten zudem ein Plastikgehirn und ein Ständer mit seltsam daran montierten Kabeln.


Am Werk war Thomas Fraps, der sich in diesem Rahmen für seine und Pit Hartlings Premiere ihres ersten abendfüllenden Programmes warm machte, das nicht umsonst die Zeile "Labor ist Trumpf" im Untertitel führt. Unglaublicherweise gelang es Fraps am Ende der Messe-Eröffnung, eine spontan und perfekt an den Vorredner (mich) sowie den üblichen wissenschaftlichen Kongress-Stil (tonnenweise Power-Point-Folien) angelehnte Vorführung zu zeigen, ohne dabei das Publikum im sonst üblichen Wissenschafts-Parodie-Stil (weisser Schnurrbart, Laborkittel, Qualm und farbige Flüssigkeiten) zu veralbern.


Das funktionierte nicht nur, weil Fraps einige Semester Physik studiert hat, bevor er sich in den letzten zehn Jahren immer mehr zum Berufs-Zauberer entwickelte, sondern vor allem, weil er sich zusätzlich korrekt die wichtigsten Begriffe aus dem bioanalytischen Genre angeeignet hatte. Im entscheidenden Moment gelang ihm so stets die (natürlich auch wortwörtliche, Abb. 2*) Verknüpfung von sehr gut ausgeführter Illusions-Kunst mit der echten Denk-Welt der Anwesenden: Eine Seil-Nummer wurde zu einem DNA-Trick (die Erbsubstanz DNA ist ein langes, fadenförmiges Molekül), aus einer unverdächtigen Flipchart donnerte auf einmal eine Bowling-Kugel und eine Karten-Vorhersage wurde zum angeblich physikalischen Gehirnwellen-Experiment (Abb. 3, 4*).


Der tricktechnische Material-Aufwand war gering, so dass zunächst auch überhaupt nicht auffiel, was da am -- noch nicht einmal umgebauten -- Redner-Pult geschah. Umso mehr staunte das Publikum über den scheinbar jungen Wissenschaftler im ordentlichen Kongress-Anzug (Abb. 5*) und lobte die Veranstalter nach seinem Outing sehr für dessen Einladung. Der vielleicht interessanteste, aber auch eigentümlichste Kommentar: "Na also, wir Deutschen können auch anders, hihihi!"


Ich habe so etwas noch nie gesehen und drücke Thomas Fraps und Pit Hartling die Daumen für ihr solides, schönes und ganz offenbar auch bezauberndes Konzept. Besonders gespannt bin ich auf die Elementar-Teilchen, die das Programm künftig zwanglos bevölkern bzw. durchdringen sollen. Wenn mich nicht alles täuscht, haben die beiden eine neue Sparte der Zauberkunst erfunden, ohne es selbst bemerkt zu haben. Vorläufig schlage ich dafür folgenden Namen vor: "Illusionen, die auch gestandenene WissenschaftlerInnen Ernst nehmen und trotzdem dorthin zurück entführen, wo sie einmal am liebsten waren: Auf den Küchenboden, mit Klingeldraht und Becherglas."


(* dieser .html-Text ist die Roh-Fassung vor Druck-Legung und kleinen Änderungen im mw-Heft. Nicht alle Abbildungen sind abgedruckt.)


Kurz-Vita Mark Benecke    
Mark Benecke äugt als Kriminal-Biologe auf alles Randständige. Er ist Mitglied im Wissenschaftsrat der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und vieler rechtsmedizinisch-kriminalistischer Vereinigungen. Seine Freunde halten ihn für den schlechtesten Illusionisten der Welt, fragen sich aber zu Recht, welche Kraft die soeben gekauften Halstücher urplötzlich verknotet hat.


Lesetipps


Dr. rer. medic. Mark Benecke · Diplombiologe (verliehen in Deutschland) · Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für kriminaltechnische Sicherung, Untersuchung u. Auswertung von biologischen Spuren (IHK Köln) · Landsberg-Str. 16, 50678 Köln, Deutschland, E-Mail: forensic@benecke.com · www.benecke.com · Umsatzsteueridentifikationsnummer: ID: DE212749258 · Aufsichtsbehörde: Industrie- und Handelskammer zu Köln, Unter Sachsenhausen 10-26, 50667 Köln, Deutschland · Fallbearbeitung und Termine nur auf echtem Papier. Absprachen per E-mail sind nur vorläufige Gedanken und nicht bindend. 🌏 Mark Benecke, M. Sc., Ph.D. · Certified & Sworn In Forensic Biologist · International Forensic Research & Consulting · Postfach 250411 · 50520 Cologne · Germany · Emergencies: Text / SMS / text messages only (never call me): +49 171 177 1273 · Anonymous calls & suppressed numbers will never be answered. · Dies ist eine Notfall-Nummer nur für SMS in aktuellen, kriminalistischen Notfällen). Bitte rufen Sie niemals an. · If it is not a real emergency, send an e-mail, pls. · If it is an emergency, send a text message (SMS) · Facebook Fan Site · Benecke Homepage · Datenschutz-Erklärung · Impressum · Archive Page