Facharbeit Wunderlich 2012

From Mark Benecke Forensic Wiki
Jump to: navigation, search

Name: Mathias Wunderlich
Experten-Interview (zum Thema Schülerwettbewerbe) im Rahmen eines Examensarbeit
Berlin, 2012

Experten-Interview mit Dr. Mark Benecke, Berlin, Hotel Bogota, 19.5.2012

Mark Benecke ist Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie, er wird als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger herangezogen, um biologische Spuren bei vermuteten Gewaltverbrechen auszuwerten. Dr. Benecke ist Ausbilder an deutschen Polizeischulen, Dozent, Kolumnist, Autor mehrerer populärwissenschaftlicher Bücher, Herausgeber von Kinder-Experimentierbaukästen und vieles mehr.

(http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Benecke)

Interviewer: M. Wunderlich

Anm.: Das Interview wurde in der Du-Form geführt, nicht weil Interviewer und Interviewter sich besonders nahe stehen, sondern wahrscheinlich weil Dr. Benecke in vielfacher Hinsicht ein unkonventioneller Mensch ist.


Hast Du selbst Erfahrungen mit Schülerwettbewerben aus Deiner Schulzeit?

M.B.: Nein, gar nicht. Irgendwie gab’s da in meiner Schulzeit nichts, hat sich an meiner Schule nicht ergeben.


Und wie bist Du zu Deiner wissenschaftlichen Laufbahn gekommen, was gab es da für Anregungen oder Vorbilder?

M.B.: Weiß ich eigentlich auch nicht so recht, richtige Vorbilder gab es jedenfalls nicht. Ich hab natürlich viel gelesen als Schüler, und dann einfach viel ausprobiert. Ich habe im Buchladen auch immer die Experimentierbücher angeguckt und sass Stunden vor dem Regal. Hat nie einer was gesagt. Und meine Eltern haben mich zuhause auch experimentieren lassen, siehe auch mein Experimentier-Buch "Das knallt dem Frosch die locken weg" von 2011.


Können Schülerwettbewerbe Deiner Meinung nach denn grundsätzlich Beiträge leisten, junge Menschen für die Wissenschaft zu interessieren?

M.B.: Ja, das kann schon sein, aber ich denke, diejenigen, die sich für so etwas interessieren, die kommen irgendwann auch ganz von selber drauf ... die kann man auch einfach irgendwo in einen Raum stecken und dann suchen die sich irgendeinen interessanten Gegenstand, an dem sie etwas forschen können.


Also können wir das mit den Wettbewerben auch ganz bleiben lassen?

M.B.: Nein nein, ganz im Gegenteil: Man muss ganz viele Angebote machen, den Schülern Futter geben. Aber Wettbewerbe sollten meiner Meinung nach sehr weit gefasst sein, nicht so eingeengt, sondern so offen wie möglich. Letzte Woche gab’s so was in den USA, da lautete die Frage einfach „Wer schwimmt schneller, eine Giraffe oder ein Mensch?“ Eine Woche Zeit, aber Null Vorgaben, wie man das rauskriegen soll, wie man eine „Lösung“ angeht. Aber am Ende muss von den Kids eine Präsentation abgeliefert werden – so etwas meine ich.


Und wie will man so einen Wettbewerb dann bewerten?

M.B.: Tja, das ist natürlich ein Problem: Wenn man das so macht, die Aufgabenstellung total offen hält, dann stellt sich am Ende genau die Frage, wie kann man einen Gewinner ermitteln? Wie kann man Kreativität, Ideen, Einfallsreichtum messen, vergleichen, bewerten? Mir persönlich sind Preise eh egal, so dass ich nix dran finde. Ich mag den Vorgang, aber nicht das Lob von anderen.


Da kommt es dann gar nicht auf das inhaltliche Ergebnis an, sondern darauf, wie gut es jemand in seiner Präsentation verkaufen kann?

M.B.: Na ja, eine gute Präsentation spielt schon eine Rolle. Meine StudentInnen müssen sich auch streng dran halten: Slide rules for your speech

Aber meiner Erfahrung nach haben "dumme Blender“ trotzdem keine Chance, am Ende setzen sich doch die durch, die die meiste Ahnung von einer Sache haben. Das kann man sehr schön bei den Science Slams beobachten, die jetzt so nach und nach auch nach Deutschland kommen. Da kriegen vielleicht auch mal die den meisten Beifall, die die besten Gags in ihre Präsentation einbauen, aber wenn es am Ende um die Wertung geht, gewinnen in der Regel schon die, die sich wirklich in ihrem Thema auskennen und es leidenschaftlich vertreten. Gestern hat beispielsweise derjenige gewonnen, der den ältesten Weberknecht-Penis aller Zeiten in Bernstein gefunden hat...normalerweise sicher nicht so interessant...er war aber voller Leidenschaft für seine Forschung: Platz 1 durch Publikumsentscheid!


Du meinst also, es ist erst einmal egal, an welches Thema man junge Leute setzt und was das Ziel eines wie auch immer gearteten Wettbewerbs ist?

M.B.: Im Grunde schon, man sollte da gerade bei Schülern einfach auf deren Erfahrungen aus ihrem persönlichen Umfeld und auf ihre Kreativität vertrauen. Ich denke, nur so bekommt man wirklich interessante Ergebnisse, auf die man als Wettbewerbsausrichter selber vorher nie gekommen wäre.


Aber wenn ich meinen Schülern in der Realschule einfach eine total offene Frage oder Aufgabe stelle, da fragen die mich als erstes „Was genau sollen wir denn da machen?“ – die kommen mit so viel Freiheit doch gar nicht zurecht...

M.B.: Das hat aber nichts mit Realschule zu tun, das ist bei älteren Schülern und bei Studenten nicht anders, das erlebe ich bei uns im Labor auch ständig. Eins der Probleme ist, dass die jungen Leute schon mit Anfang 20 nur ans Geldverdienen denken und die berufliche Karriere im Blick haben: Was muss ich studieren, um eine Chance auf einen lukrativen Job zu haben, mit wem muss ich vernetzt sein, wem muss ich in den Hintern kriechen? Dieser ganze Unsinn mit dem Bachelor-Studium geht genau in die Richtung, und das killt leider fast alle Ansätze in Richtung freier Entfaltung. Mit Mitte 20 sind die meisten guten Leute schon so festgelegt und verplant, dass sie kaum noch nach rechts und links schauen.


Wie könnten wir es denn dann überhaupt schaffen, Schüler und Studenten zur Neugier anzuregen, Blicke über den Tellerrand zu wagen, im Hinblick auf Naturwissenschaften kreativ zu werden?

M.B.: Was man machen kann – und das ist u.a. das, was ich gerne mache – man lässt den Inhalt einer Aufgabe vollkommen offen, gibt aber die Form sehr streng vor. Zum Beispiel gebe ich einen Vortrag auf, bei dem die Studenten thematisch ALLES machen können, vollkommen egal, aber ich mache die Vorgabe, dass bei der Präsentation kein einziger Buchstabe und keine einzige Zahl zu sehen sein darf. Diese Beschränkung ist für viele dann die eigentliche Herausforderung ... weil sie nicht zeichnen können oder wollen oder weil sie eben einfach schon zu sehr in der üblichen Art solcher Präsentationen befangen sind. Aber genau diese Beschränkung in der Form kann manchmal kreative Lösungen zutage bringen.


Also sollten wir künftigen Naturwissenschaftlern das Zeichnen beibringen?

M.B.: Ja, so ungefähr...vor allem sollen sie gut fotografieren. Wichtig finde ich diesen Ausgleich, die Leute sollen immer wieder auch Dinge machen, die überhaupt nichts mit ihrem Spezialgebiet zu tun haben beziehungsweise insofern schon, als dass sie dadurch in Bildern erklären können, was sie tun. Ich hab das erlebt in der naturwissenschaftlichen Höchstbegabtenförderung – die haben da wie wild Sport gemacht! Zuerst habe ich mich gefragt, was das soll, aber dann wurde ganz schnell klar, die brauchen einfach ganz viele Herausforderungen – und eben auch auf vollkommen anderen Gebieten als in ihrem Begabungsfach, als Ausgleich und vor allem zur Anregung!


Eine strikte Trennung zwischen zum Beispiel dem musischen Bereich und der Naturwissenschaft ist also Quatsch?

M.B.: Ja, wir sind doch Menschen! Jeder ist total vielschichtig und hat gleichzeitig ganz unterschiedliche Interessen, das kann man doch gar nicht so klar trennen. Bei mir im Labor können die Leute zum Beispiel alles machen: Klar, das Tagesgeschäft muss ordentlich erledigt werden, aber wenn das gewährleistet ist, dann fragt kein Mensch mehr, womit sie sich den ganzen Tag beschäftigt haben, was das Ziel war, wofür sie dieses oder jenes Instrument oder Material gebraucht haben. Wenn die Leute Raum zum Spielen, zum Ausprobieren und für eine zunächst mal ziellose Neugierde haben, genau dann kommen da am Ende manchmal Dinge heraus, die keiner auch nur ansatzweise vorher ahnen konnte.


Und das funktioniert – auch in der Wissenschaftspraxis, im harten Berufsalltag und vielleicht auch in der Schule?

M.B.: Ich denke, nur so funktioniert es überhaupt langfristig. Und da gibt’s doch jede Menge Beispiele. Bei Ford in Köln haben die auch so ein Programm: Wer sich in seinem Betrieb, an seinem Arbeitsplatz umschaut und auf eine Idee kommt, wie man die Produktion verbessern könnte, der kann das einreichen, dann wird das geprüft, und wenn es was taugt, dann gibt es zum Beispiel eine Prämie. Aber finanzielle Anreize sind nur ein Antrieb, sich selbst Gedanken zu machen und nach besseren Lösungen zu suchen. Meistens funktioniert es sogar viel besser mit ganz anderen Motivationen – Ansehen bei Freunden, Aussicht auf eine Reise oder eine interessante Zeit, auf spannende Begegnungen mit coolen Leuten – das sind alles eher so nicht-materielle Anreize, aber die wirken!


Lesetipps


Dr. rer. medic. Mark Benecke · Diplombiologe (verliehen in Deutschland) · Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für kriminaltechnische Sicherung, Untersuchung u. Auswertung von biologischen Spuren (IHK Köln) · Landsberg-Str. 16, 50678 Köln, Deutschland, E-Mail: forensic@benecke.com · www.benecke.com · Umsatzsteueridentifikationsnummer: ID: DE212749258 · Aufsichtsbehörde: Industrie- und Handelskammer zu Köln, Unter Sachsenhausen 10-26, 50667 Köln, Deutschland · Fallbearbeitung und Termine nur auf echtem Papier. Absprachen per E-mail sind nur vorläufige Gedanken und nicht bindend. 🌏 Mark Benecke, M. Sc., Ph.D. · Certified & Sworn In Forensic Biologist · International Forensic Research & Consulting · Postfach 250411 · 50520 Cologne · Germany · Emergencies: Text / SMS / text messages only (never call me): +49 171 177 1273 · Anonymous calls & suppressed numbers will never be answered. · Dies ist eine Notfall-Nummer nur für SMS in aktuellen, kriminalistischen Notfällen). Bitte rufen Sie niemals an. · If it is not a real emergency, send an e-mail, pls. · If it is an emergency, send a text message (SMS) · Facebook Fan Site · Benecke Homepage · Datenschutz-Erklärung · Impressum · Archive Page