2019-03-16 Radio Eins: Die Hipster-Studie

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Quelle: RBB radioeins, Die Profis: Der Benecke am 16. März 2019, https://www.radioeins.de/archiv/podcast/die_profis_benecke.html

Mark Benecke: Die Hipster-Studie

MB zu Gast bei "Die Profis" auf radioeins

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Mit Stephan Karkowsky (Radioeins)

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Moderator (Mod): Ich freue mich immer, wenn ich in Kreuzberg einen echten Hipster sehe, weil ich das Gefühl habe, es werden immer weniger: Diese Männer im jungen bis mittleren Alter, meist nicht ganz arm, mit gepflegten Vollbärten, ausrasiertem Nacken und Seiten, also Undercut oder Sidecut oder Dutt, hochgerollten Stretchjeans, Converse Sneakers, Hornbrillen, Hosenträgern überm Holzfällerhemd, natürlich immer ein Apple-Produkt dabei und was man sonst noch so braucht zum Hipstertum.

Das tolle am Hipster ist ja, dass er in der Masse der Nicht-Hipster durchaus auffällt; gleichzeitig aber sofort zu erkennen ist durch sein uniformes Styling.

Wie aus einem originellen Outfit auf einmal uniformer Mainstream werden kann, das hat ein Mathematiker nun mit einer Hipster-Formel nachgewiesen. Ich finde, das ist ein hippes Thema für unseren Ober-Skeptiker.

(Mod) Hip Hip Hurra, lieber Mark, guten Morgen.

MB: Einen hippen guten Morgen, lieber Stephan.

Was ist das für ein Mathematiker, der sich mathematisch mit Hipstern beschäftigt?

Das ist Jonathan Touboul, der von keiner geringeren Universität kommt als der Brandeis University, die ist sehr klein mit weniger als 6.000 Studierenden und wurde von Albert Einstein mit begründet. Da kommen jede Menge kleine, exzellente Sachen her.

Er hat sich gefragt, wie kommt es eigentlich, dass etwas sehr Diverses — denn ursprünglich waren die Hipster ja ganz divers und kamen aus unterschiedlichen Richtungen, man kann ja verschiedene Brillen benutzen oder verschiedene Sonnenbrillen —, oder man kann, wie du schon sagtest, so einen Manbun machen, einen Dutt oder die Haare auch anders tragen, man kann sich einen Schnäuzer machen oder einen Vollbart oder einen Goatee, wieso sieht das am Ende doch relativ gleich aus?

Er hat Formeln genommen, die er kannte aus der Ausrichtung von magnetischen Materialien. Das sind wirklich sehr schöne Modelle, eins ist z.B. vom Ehemann von Marie Curie, das Weiß-Curie-Modell und da wird in der statistischen Physik das Verhalten zwischen magnetischen Bestandteilen angeschaut und gekoppelt hat er das mit einem anderen Modell, dem Hopf-Andronov-Bifurkations-Modell.

Das beschreibt wie sich aus einer großen Menge an Möglichkeiten — magnetisch würden wir den Nord- und Südpol nennen oder ein Null- oder Eins-Zustand — eine Art Grenze um diese heterogene und ungleiche Masse bildet, eine Art Rand. Das kann man schön beschreiben: Alles außerhalb des Randes wird aus diesem Grenzrand hinzugezogen und alles innen drin, wird nach außen zur Grenze gezogen. Das wären unsere Hipster, die sehen am Ende so aus.

Er hat es dann durchgerechnet in einer unglaublich aufwändigen Arbeit, das ist kein Aprilscherz, sondern er hat auf Seiten und Seiten das genau ausgerechnet und festgestellt: Es hängt immer davon ab wie lange es dauert eigentlich die magnetischen Teilchen oder die Nerven des Gehirns merken, was gerade der aktuelle Trend ist. Und dieser Trend wiederum ist davon abhängig, wie weit man von dem eigentlich trendgebenden Faktor entfernt ist. Bei Magneten wäre das der Magnetismus, bei Hipstern wäre das der Block oder wo du gerade wohnst, ob du in Berlin oder am Ende in Potsdam wohnst oder in Falkensee.

Meines Wissens nach ist das einer der selten Fälle, wo soziale Phänemene mit mathematischen und aus der statistischen Physik stammenden Formeln sehr schön beschrieben werden.

Ich habe gehört, dass sich ein Hipster bei diesem Mathematiker der Brandeis-Universität beschwert hat, weil Touboul ein Bild von ihm ungefragt abgedruckt haben soll. Kennst du die Geschichte?

(lacht): Ja, die Geschichte kenne ich. Am Ende stellt sich heraus, dass es gar nicht dieser entsprechende Hipster gewesen sein soll. Das mag sein und ist tatsächlich vorstellbar. Das Verrückte an der Sache ist, dass — das schreibt er auch selber — es innerhalb dieser Zustände immer so kleine Schwankungen geben und hin- und herflippen kann, je nachdem wie viele Menschen sich dem Trend anschließen oder nicht und vor allen Dingen — wie du schon in der Einleitung sagtest — was am Ende Mainstream ist, gegen den ich mich wieder wenden muss.

Wenn der Schnurrbart jetzt Mainstream ist, brauche ich natürlich einen Vollbart und er schreibt ein sehr schönes Beispiel dazu, wie diese Mikrofluktuationen stattfinden: Es ist gerade eine große Diskussion unter Hipstern, ob man Fahrrad fährt — das natürlich auf jeden Fall —, aber ob es ein Fahrrad mit oder ohne Gangschaltung sein soll. Und die nächste große Diskussion, ich ahne schon, die kommt dann demnächst in Berlin, darf es eine Dreigangschaltung sein oder eine Fünfgangschaltung, aber wenn man das dann durch hat, keine Drei- oder Fünfgangschaltung, dann darf es wieder unsere 18-Gang-Schaltung sein. Und schon sind wir mitten in der Konformität drin.

Ich habe sieben Gänge, ich bin sowas von out.

Original-Studie: https://arxiv.org/pdf/1410.8001.pdf

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Dr. rer. medic. Mark Benecke · Diplombiologe (verliehen in Deutschland) · Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für kriminaltechnische Sicherung, Untersuchung u. Auswertung von biologischen Spuren (IHK Köln) · Landsberg-Str. 16, 50678 Köln, Deutschland, E-Mail: forensic@benecke.com · www.benecke.com · Umsatzsteueridentifikationsnummer: ID: DE212749258 · Aufsichtsbehörde: Industrie- und Handelskammer zu Köln, Unter Sachsenhausen 10-26, 50667 Köln, Deutschland · Fallbearbeitung und Termine nur auf echtem Papier. Absprachen per E-mail sind nur vorläufige Gedanken und nicht bindend. 🌏 Mark Benecke, M. Sc., Ph.D. · Certified & Sworn In Forensic Biologist · International Forensic Research & Consulting · Postfach 250411 · 50520 Cologne · Germany · Emergencies: Text / SMS / text messages only (never call me): +49 171 177 1273 · Anonymous calls & suppressed numbers will never be answered. · Dies ist eine Notfall-Nummer nur für SMS in aktuellen, kriminalistischen Notfällen). Bitte rufen Sie niemals an. · If it is not a real emergency, send an e-mail, pls. · If it is an emergency, send a text message (SMS) · Facebook Fan Site · Benecke Homepage · Datenschutz-Erklärung · Impressum · Archive Page