2013 12 Der Donaldist: PaTrick Bahners

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Quelle: Der Donaldist, Heft 145, Dezember 2013, Seite 59

PaTrick Bahners:

Entenhausen: Die ganze Wahrheit

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REZENSION: MARK BENECKE, KD


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Einfalt und Scharfsinn sind Grundbedingungen des lauteren Donaldismus. Einfalt, weil unsere Quellenlage geschlossen ist und bedingungslosen Glauben an die Überlieferung voraussetzt. Scharfsinn deshalb, weil wir die auf den ersten Blick vorhandenen Widersprüche in der Überlieferung gerne passend machen möchten. Das ist nicht immer einfach, was man schon daran erkennt, dass vermutlich nicht nur mir der mögliche Ursprung zur sprichwörtlichen Einfalt, nämlich das römische Recht, gar nicht bekannt war: “simplicitas legimus amica” heisst es dort. Bahners, der vollkommene Feuilletonist, weiß das nicht nur und schenkt uns diese Wahrheit, sondern er fügt die Kette seiner Brosamen auch derart zusammen, dass es eine Lust ist, zu lesen.


Das Urgestein der donaldischen und donaldistischen Forschung legt mit “Entenhausen: Die ganze Wahrheit” einen Bericht vor, der viele Probleme tief und schlüssig klärt, andere Fragen -- gleich dem Münstermännchen das Tageslicht -- aber auffallend scheut. Dazu zählt die Neffenfrage, die aus dem Blickwinkel der Dreieinigkeit durchaus ins Gebiet der Religionsfragen in Entenhausen gepasst hätte, welche Bahners umfangreich behandelt.


Anders als Ernst Horst in Nur keine Sentimentalitäten hebt der Exeget aber die uns bekannte Überlieferung nicht in seine eigene oder die Lebensgeschichte des Mediums Fuchs, sondern webt und spinnt stattdessen im weit enger am Sujet bleibenden Rahmen, unter anderem zur Frage, ob Entenhausen nicht weniger auf dem Storch’schen Stern, sondern vielmehr auf einer Abwandlung der uns bekannten Erde zu finden sein könnte.


Seine eindeutige Antwort: Entenhausen ist auf Erde zwei -- oder einer zukünftigen Version unseres Planeten -- dort zu finden, wo heute und hier die Stadt Boston liegt. Die technische Begründung dafür möchte ich nicht verraten, sondern lieber auf ein anderes Indiz Bahners’ eingehen, das belegt, dass Entenhausen sich in einer Variante Amerikas befinden muss. Die Schnallenschuhe und steifen Hüte der Puritaner spiegeln nämlich ebenso wie das jovialere lederne Trapperhemd mit Fransen zwei Stufen der europäischen Besiedlung Amerikas wider, “die Landnahme im Osten und die Eroberung des Westens”. Da beide Kleidungs-Stile -- wie übrigens nahezu alle Aussagen Bahners’ durch Abbildungen sogleich belegt -- in den Einwohnern Entenhausens bekannten figürlichen Überlieferungen vorkommen, scheidet die bloß zufällige Überschneidung der irdischen mit den entenhausener Verhältnissen aus.


Weitere Belege der Erdähnlichkeit sieht Bahners unter anderem in der Erwähnung des zweiten Burenkrieges, von Quakenbrück und Gottfried Daimler sowie der Tatsache, dass Daniel Düsentrieb seinen Kant gelesen haben muss. Da er “dem in fortgesetzter Beobachtung gewonnenen Wissen des Sternkundigen den Charakter intimer Vertrautheit zuschrieb”, wusste Düsentrieb vom Planeten hinter Pluto: “Sehen Sie!”, sagt er zu Franz Gans, “Träume sind eben keine Schäume! Ätsch!”


Der Forensiker (und damit auch ich) kennt die von Bahners in diesem Zusammenhang gottseidank zitierte “Ohnmacht des Wissens gegenüber der Anschauung” aus der täglichen Erfahrung. So wie sich Bahners also todesmutig an die Verknüpfung der ihm bekannten Teile der für ihn erfahrbaren, das heißt geistes-, finanz- und kulturgeschichtlichen Wirklichkeit mit den Realitäten Entenhausens macht, berücksichtigt er aber auch benachbarte Wissensdisziplinen, beispielsweise die Genetik (geruchliche Nichtunterscheidung des Münstermännches von Dagobert Duck, die folglich zwei Drillinge sind) sowie die Neurobiologie: Routine-Entscheidungen sind -- anders als es auf der aktuellen Erde nachgewiesen wurde -- in Entenhausen nicht immer die besten. Das Zusammentreffen des kleinen Herrn Duck mit den Experimentatoren Dulle und Düsentrieb in Timbuktu beweist das.


Auch sonst verhehlt Bahners seine Sympathie für die Naturwissenschaften nicht. So erkennt er beispielsweise, dass sowohl Dagobert Duck als auch Daniel Düsentrieb mit dem überstrapazierten Zitat der vielen Dingen zwischen Himmel und Erde (Hamlet! 1. Akt! Sehr gebildet!) “nicht die Lizenz zur metaphysischen Phantasieproduktion, sondern die Prämisse einer empirischen Weiterbildung, die das Hinsehen und Hinfahren verlangt” meinen.


Die Klippen zwischen naturwissenschaftlichem Wünschen, Details zu lateinischen Beugungen, der endlich sinnvoll vorgebrachten Erklärung des Vorkommens von “Mein Kampf” auf der Entenhausener Müllkippe sowie der Tatsache, dass Bahners wie Humboldt weiss, dass nichts für sich steht, sind naturgegeben nicht immer zu umschiffen.


Obwohl Bahners beispielsweise Anhänger der These des postapokalyptischen Entenhausens einschließlich der so erklärlichen hohen natürlichen Radioaktivität ist, finden sich doch auch mögliche Inkonsistenzen, beispielweise zur Frage, wie und wann die drei Monde um die Entenhausener Erde herum entstanden sind. Hier besteht bei aller Poesie -- Bahners: “Im Profil wird einer der steilen Gipfel, der weit über die Mondhorizontlinie hinausragt, als Näschen wahrgenommen” -- noch Forschungsbedarf. Und das ist auch gut so.


Denn wie jedes wissenschaftliche Lehrbuch in seiner ersten Auflage gibt es noch Lücken zu füllen. Das dürfte hier leicht fallen. So finden sich etwa keine Angaben zur Stromspannung in Entenhausen, obwohl diese bekannt ist -- und trotz der getreulichen Angabe aller Quellen und seiner prominenten Forscherkollegen wie Patrick Martin, Ernst Horst, Andreas Platthaus, Tom Plum, Jürgen Wollina, Christian Pfeiler et al. hat zumindest der Verlag (noch) am Stichwortregister gespart.


Ich möchte genauer erfahren, wie Bahners ableitet, dass die von ihm entdeckte “Tradition der verdeckten Resozalisierung von Gelegenheitsgewinnen”, etwa durch Sebastian Sandigs Gabe an das Klubhaus der Fieselschweiflinge, in anderen Fällen “mit schöner Regelmäßigkeit” auch in der Suppenküche von Kummersdorf ankam beziehungsweise ankommen wird. Zuletzt müssen auch die Veränderungen des Stadtplans, die nach Bahners Erkenntnissen nun möglichweise akut werden, in Folgeauflagen des Buches wie des Stadtplanes, den man dann übrigens auch gleich beilegen könnte, erkennbar werden.


Da mein Abriss der Bahnerschen Gespinste ohnehin und im Bestfall nur einen katzengoldartigen Abglanz der Gedanken dieses großen Mannes liefern kann, möchte ich die von ihm in den MifüMi zum DD 128 gemachte Aufforderung, weiter zu forschen, im Sinne seines Buches noch erweitern: Gleicht die Realität unserer Erde mit der von Entenhausen ab! So weist Bahners nach, dass der Bürgermeiser von Entenhausen seine Außenstände eintreibt, indem er dem Mahradscha von Zasterabad sogar dessen Gewänder pfändet. Just findet sich in der aktuellen Berichterstattung unserer Erde der eigentlich unglaubliche, aber doch so stattgefundene Fall eines rheinischen Geschäftsmannes, der seine Ausstände aus Geschäften in Russland derzeit (Herbst 2013) eintreibt, indem er dem mächtigen russischen Reich eine Immobilie nach der anderen auf deutschem Boden wegpfändet. Sind das Parallelen, Parallelitäten oder gar Vorzeichen, die Bahners Aussagen von der Erdähnlichkeit Entenhausens untermauern? “Ex oriente Jux”, gibt Bahners vor -- doch lebt er derzeit nicht selbst an der Ostküste der Vereinigten Staaten?


Ich komme zum Ende und möchte das Bahnersche Werk nicht nur glutheiß empfehlen, sondern ihm in Gestalt weiterer Auflagen sowie der Bitte um Erweiterung des schon jetzt reichen Materials auch wünschen, dass es sich in eine von Veilchen, Muskat und Musik umwehte, vorläufig noch nicht den anankastisch Vergangenes wiederholenden Gewohnheiten der Entenhauser folgend, die unsere Geschichte gemäß der Bahnerschen Ableitungen nachzuleben trachten, lange und fein in die nächsten Jahrzehnte herübertrage. Denn Bahners ist eben in Wirklichkeit nicht nur unser Spiritus Rector, sondern schlicht auch eine gute, alte Seele.


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Dr. rer. medic. Mark Benecke · Diplombiologe (verliehen in Deutschland) · Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für kriminaltechnische Sicherung, Untersuchung u. Auswertung von biologischen Spuren (IHK Köln) · Landsberg-Str. 16, 50678 Köln, Deutschland, E-Mail: forensic@benecke.com · www.benecke.com · Umsatzsteueridentifikationsnummer: ID: DE212749258 · Aufsichtsbehörde: Industrie- und Handelskammer zu Köln, Unter Sachsenhausen 10-26, 50667 Köln, Deutschland · Fallbearbeitung und Termine nur auf echtem Papier. Absprachen per E-mail sind nur vorläufige Gedanken und nicht bindend. 🌏 Mark Benecke, M. Sc., Ph.D. · Certified & Sworn In Forensic Biologist · International Forensic Research & Consulting · Postfach 250411 · 50520 Cologne · Germany · Emergencies: Text / SMS / text messages only (never call me): +49 171 177 1273 · Anonymous calls & suppressed numbers will never be answered. · Dies ist eine Notfall-Nummer nur für SMS in aktuellen, kriminalistischen Notfällen). Bitte rufen Sie niemals an. · If it is not a real emergency, send an e-mail, pls. · If it is an emergency, send a text message (SMS) · Facebook Fan Site · Benecke Homepage · Datenschutz-Erklärung · Impressum · Archive Page