2012 10 Tätowiermagazin: Respekt

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Quelle: Tätowiermagazin 10/2012, Seite 192

Respekt

Kolumne mit Mark Benecke

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VON MARK BENECKE


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Zum Jubiläum des TätowierMagazins möchte ich – auch im Sinne Herbert Hoffmanns, dessen Kolumne dies hier ursprünglich war – nochmal daran erinnern, dass Tattoos sehr viel sein können und auch sollen: Kunst, Erinnerung, Handwerk, Sehnsucht, Quatsch, Gesprächseinstieg oder einfach nur ein Statement.


Jede Tätowierung verdient Respekt, wenn sie aufrichtig gemeint ist. Absolut jede. Vom oft gar nicht üblen Arschgeweih über das rote Teufelchen, die blaue Banane (Mini-Delfin), den Tigerkopf, den Koi, den Adler und alles an heutigem Jedöns, was wir im Jahr 2030 auch nicht mehr genau verstehen werden.
 


Ein Beispiel für diesen Respekt vor dem Tattoo und vor sich selbst soll Smirki sein. Ich habe sie bei einem Theaterstück kennengelernt, das Jugendliche mit sehr schrägen und abgründigen Lebensgeschichten auf öffentlichen Plätzen in Berlin aufgeführt haben. Es hat mich irre gefreut, dass Smirki mir ihre Geschichte erzählt hat.


MB: WIR SITZEN HIER UNTER EINEM BETONBOGEN DES FERNSEHTURMS UND DU HAST TATTOOS. BESCHREIB DIE DOCH MAL.
  Ich habe drei. Einmal das hier: »Sambuca«. So hieß mein Kater, der 2009 verstorben ist.


MB: HIESS ER SO WEGEN DEM GETRÄNK ODER WEGEN WAS ANDEREM?
  Eigentlich wollte ich ihn Richie nennen. Darauf wollte er nicht hören. Dann wollte ich ihn Sambora* nennen, darauf wollte er auch nicht hören. Dann kam ich auf Sambuca und darauf wollte er hören.


MB: UND DANN HAST DU NOCH WAS UNGEWÖHNLICHERES.
  Ja, grüne Punkte an meinem rechten Daumen.


MB: SOGAR MEHRERE, AUCH IN DER HANDFLÄCHE. INTERESSANTES GRÜN.
  Da steckt ‘ne ganz lange Geschichte hinter. Eine Freundin meinte mal, sie wollte mich auf grüne Punkte untersuchen, weil ich ihr mal erzählt hatte, die Leute würden mich angucken, als ob ich Hulk wäre. Beziehungsweise eine Person hat »Hulk« geschrien, weil ich so eine riesengroße Box rumgetragen habe, die aus Holz und Stoff war. Es sah so stark aus, weil die Box so riesig war und ich so klein.


MB: DIE PUNKTE SIND AUSGEBLICHEN.
  Wird noch nachgestochen.


MB: MACHST DU NOCH MEHR GRÜNE PUNKTE?
  Nein, nur die Punkte, die ausgeblichen sind. Dass die wieder normal grün sind.


MB: UND AUF DER ANDEREN HAND HAST DU AUCH WAS ... DAS IST AUCH EIN BISSCHEN AUSGEBLICHEN.
  Da steht »Keep the Faith« und ein Stern mit lila Tinte. Es ist ganz gut für die ersten Versuche von einer Freundin. Das heißt ja »Wahre den Glauben« auf Deutsch übersetzt – den Glauben zu sich selbst. Ist auch ein Bon-Jovi-Song.


MB: VERSTEHE.
  Sambora* hat auch einen Stern, aber ich glaube auf der Hand, zwischen den Fingern.


MB: »KEEP THE FAITH« – HAST DU ALSO MAL DEN GLAUBEN AN DICH VERLOREN?
  Man muss ihn manchmal stärken.


Wir haben noch lange auf der Betontreppe gesessen und geredet. Zwei aus der Truppe haben dazu Gitarre gespielt. Irgendwann haben wir einen rätselhaften Traumfänger in einem Bauzaun entdeckt, und als es auf einmal in Strömen regnete, trollten sich haufenweise Punks, Elektroheads und wilde Vögel zu uns. Wer weiß, welche Kräfte der Hulk noch so hat ...


Darum: Bitte behaltet eure Tattoos und eure Träume und euren Glauben. Lasst euch nicht zu Gurken belabern. Aber wenn ihr meint, ihr müsst dem Hulk eure Referenz erweisen, dann tut das ruhig, und sei es auch mit selbstgestochenen grünen Punkten. Ein Tattoo ist für immer. Das ist auch gut so. Wenn es euch überdies stark macht und selbst erfunden ist, dann seid ihr schon einen großen Schritt weiter als die meisten anderen Menschen.
 


Stay tough & gespannt auf alles, was in der Tattoo-Welt noch kommen wird –

der eure - Markito


(*) bezieht sich auf Richie Sambora von Bon Jovi


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